Innenzug tritt aus einer schwarzen Bowdenzughülle, dazwischen sitzt eine silberne Endhülse

Kaufberatung Bowdenzug: Zug, Hülle und die vier Zahlen, auf die es ankommt

Fahrradschmiede Berlin

Eine Bremse, die sich schwammig anfühlt, oder eine Schaltung, die trotz sauberer Einstellung nicht auf den Punkt geht: In der Werkstatt sitzt die Ursache häufiger im Zug als im Hebel oder im Schaltwerk. Ein Bowdenzug besteht aus zwei Teilen, die getrennt verkauft und gemeinsam gewechselt werden. Innen läuft der Innenzug aus verdrillten Stahllitzen, außen sitzt die Hülle, gegen die er sich abstützt. Für Bremse und Schaltung gibt es beide Teile in eigenen Ausführungen, und die sind nicht gegeneinander tauschbar.

Die vier Zahlen, die alles entscheiden

Du brauchst keine Modellbezeichnung und keinen Herstellernamen. Bau das alte Teil aus und miss nach, dann ist die Sache klar:

  • Innenzug 1,5 mm gehört zur Bremse
  • Innenzug 1,1 mm gehört zur Schaltung
  • Außenhülle 5 mm gehört zur Bremse
  • Außenhülle 4 mm gehört zur Schaltung

Diese vier Maße decken so gut wie jedes Alltagsrad ab, vom Hollandrad über das Trekkingrad bis zum Mountainbike. Beim Innenzug ist der Durchmesser ein sicheres Merkmal: 1,1 mm ist immer Schaltung, 1,5 mm immer Bremse.

Bei der Hülle gilt eine Einschränkung, die man kennen sollte. Es gibt auch Schalthüllen mit 5 mm Außendurchmesser, etwa die Bauart SIS-SP5 für lange Zugwege und Nabenschaltungen. Der Durchmesser ist also die erste Prüfung, die endgültige Antwort gibt die Bauart, und die erklärt der übernächste Abschnitt. In unserem Sortiment ist die Zuordnung eindeutig: 4 mm zur Schaltung, 5 mm zur Bremse.

Der Innenzug: erst der Durchmesser, dann der Nippel

Der Durchmesser sagt, ob der Zug an die Bremse oder an die Schaltung gehört. Was danach zählt, ist der Nippel am Zugende, also das kleine Metallstück, das im Hebel einhakt. Passt er nicht, hält der beste Zug nicht im Hebel.

  • Walzennippel, auch Tonnennippel genannt: ein quer liegender Zylinder. Er sitzt in den Bremshebeln, die an geraden Lenkern montiert sind, also an Trekkingrädern, Hollandrädern und Mountainbikes. Das ist der Bremsinnenzug mit Walzennippel.
  • Birnennippel: ein pilzförmiger Kopf am Zugende. Er gehört in die Bremshebel am Rennradlenker. Das ist der Bremsinnenzug mit Birnennippel.
  • Beim Schaltinnenzug ist die Lage einfacher: Der kleine zylindrische Nippel passt in alle gängigen Daumen- und Drehgriffschalter.

Beim Material lohnt der Blick auf die Angabe Niro oder Nirostahl. Das ist rostfreier Edelstahl. Ein verzinkter Zug ist billiger und fängt bei ganzjährig draußen stehenden Rädern deutlich früher an zu gammeln, und ein angerosteter Zug ist genau der Zug, der sich schwer bewegen lässt.

Die Außenhülle: warum die Bauart entscheidet

Der Größenunterschied ist nicht der eigentliche Punkt. Die beiden Hüllen sind unterschiedlich aufgebaut, und daher kommt die Regel, dass man sie nicht tauschen darf.

Eine Bremshülle ist aus einem spiralförmig gewickelten Stahldraht gefertigt. Diese Bauweise hält sehr hohe Druckkräfte aus und knickt auch im engen Bogen nicht ein. Ziehst du am Bremshebel, drückt sich der Innenzug gegen die Hülle, und die Hülle muss diese Kraft aushalten, ohne aufzureißen.

Eine Schalthülle ist dagegen aus vielen längs verlaufenden Drähten gebaut. Sie hält weniger Druck aus, staucht sich dafür fast gar nicht. Genau darauf beruht eine Rasterschaltung: Ein Klick am Hebel bewegt den Zug um wenige Millimeter, und diese Bewegung darf nicht in der Hülle verlorengehen.

Daraus folgen zwei Fehler, die wir regelmäßig sehen. Eine Schalthülle an der Bremse ist ein Sicherheitsrisiko, weil sie unter voller Bremskraft aufplatzen kann. Eine Bremshülle an der Schaltung ist ungefährlich, aber die Schaltung wird nie präzise, weil sich die Hülle bei jedem Schaltvorgang ein Stück zusammendrückt. Wir führen beide sauber getrennt: die Schaltzughülle mit 4 mm und die Bremszughülle mit 5 mm, beide mit Kunststoff-Innenbeschichtung, damit der Zug leichter gleitet.

Die richtige Länge

Innenzüge kaufst du zu lang und kürzt sie nach dem Einbau. 2000 mm reichen an einem normalen Rad für jede Position, vorne wie hinten. Knapp wird es nur bei sehr langen Rahmen, also bei Lastenrädern, Tandems oder Liegerädern. Dort greifst du besser zu einem Komplettset, dessen Züge über 2200 mm messen.

Die Hülle gibt es bei uns meterweise. Miss die alte Hülle ab, bevor du sie wegwirfst, und rechne den Bogen zum Lenker großzügig mit. Eine zu kurze Hülle zieht beim Lenkeinschlag an der Bremse, eine leicht zu lange stört nicht.

Endhülsen und Endkappen: die zwei Kleinteile, die man vergisst

Beide sitzen an den Enden und werden regelmäßig übersehen, obwohl sie zusammen weniger kosten als der Zug selbst.

  • Die Endhülse, auch Anschlaghülse genannt, wird auf das abgeschnittene Ende der Außenhülle gesteckt. Sie verhindert, dass sich das Hüllenende in den Rahmenanschlag frisst, und hält den Innenzug mittig. Es gibt sie passend zur Hülle in 5 mm und 4 mm.
  • Die Endkappe wird auf das abgeschnittene Zugende gequetscht, damit sich die Litzen nicht aufdrehen. Ein aufgefranstes Zugende lässt sich nicht mehr durch eine Hülle fädeln und schneidet beim Anfassen in den Finger. Unsere Endkappe aus Aluminium passt auf Zugdurchmesser von 1,0 bis 1,6 mm, also auf Brems- und Schaltzüge gleichermaßen.

Wann ein Zug fällig ist

Ein festes Wechselintervall gibt es nicht, es kommt darauf an, wie das Rad steht. Diese Zeichen sprechen für einen Wechsel:

  • Der Hebel geht schwer, obwohl du frisches Öl an den Zug gegeben hast.
  • Am Zugende oder an den Hüllenenden sitzt sichtbarer Rost.
  • Einzelne Litzen stehen ab. Dann ist der Zug angebrochen und kann reißen.
  • Der Bremshebel kommt zurück, aber die Bremse öffnet erst verzögert. Das ist fast immer eine verharzte Hülle.

Wechsle Zug und Hülle zusammen. Ein neuer Zug in einer alten, innen verharzten Hülle bringt wenig, und die Arbeit hast du beide Male.

Einzelteil oder Komplettset

Für den einzelnen Zug, der gerissen ist, kaufst du Innenzug, Hülle und die passenden Kleinteile einzeln und zahlst nur für das, was du brauchst. Das ist der häufigste Fall und der Grund, warum wir die Hülle meterweise abgeben.

Ein Bremszugset oder ein Schaltzugset lohnt sich, wenn du ein Rad komplett überholst. Darin stecken die Züge für vorne und hinten, die passende Hülle und alle Anschlaghülsen in einer Packung, dazu gibt es die Hülle in Farbe, wenn das Rad danach auffallen soll.

Häufige Fragen

Kann ich einen Schaltzug an der Bremse verwenden? Nein. Mit 1,1 mm ist er zu dünn für die Bremskraft, und der Nippel passt ohnehin nicht in den Bremshebel.

Mein Rad hat eine Rollenbremse oder eine Trommelbremse. Welcher Zug? Ein normaler Bremsinnenzug mit 1,5 mm und Walzennippel, dazu die 5-mm-Hülle. Mehr zu den Bauarten steht in der Kaufberatung Fahrradbremse.

Brauche ich Spezialwerkzeug? Für den Zug reicht ein Seitenschneider für Bowdenzüge. Ein normaler Seitenschneider quetscht die Litzen platt statt sie zu trennen. Die Hülle schneidest du mit demselben Werkzeug und stichst danach den Innenkanal mit einem Nagel oder einer Ahle wieder auf.

Muss die Hülle zur Marke des Schalthebels passen? Nein. Züge und Hüllen sind genormt, entscheidend sind Durchmesser und Nippelform. Welcher Schalthebel an deinem Rad sitzt, klärt die Kaufberatung Schaltung.

Das ganze Sortiment findest du unter Züge & Hüllen. Wenn du unsicher bist, welches Teil an deinem Rad sitzt: Bring das alte Stück mit in die Werkstatt, dann messen wir es gemeinsam nach.

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