Kein Bauteil am Fahrrad hat so direkten Einfluss auf Fahrkomfort, Sicherheit und Wartungsaufwand wie der Reifen. Der Unterschied zwischen einem verschlissenen Standardreifen und einem guten Alltagsreifen ist auf den ersten Kilometern spürbar: weniger Rollwiderstand, mehr Grip, deutlich weniger Pannen.
In unserer Werkstatt in Berlin Prenzlauer Berg montieren wir jedes Jahr hunderte davon. Die Fragen am Tresen drehen sich fast immer um dieselben vier Punkte: Größe, Pannenschutz, Profil und Luftdruck.
Die Größe: Die ETRTO-Zahl ist die Wahrheit
Auf jeder Reifenflanke steht eine ETRTO-Bezeichnung, zwei Zahlen mit Bindestrich, zum Beispiel 37-622. Die erste Zahl ist die Reifenbreite in Millimetern, die zweite der Felgendurchmesser. Diese zweite Zahl entscheidet, ob der Reifen überhaupt auf die Felge geht.
Zollangaben sind dagegen mehrdeutig, und das ist keine Kleinigkeit. Ein paar Beispiele aus unserem eigenen Sortiment:
- „28 Zoll" kann 622 mm bedeuten (Trekkingrad) oder 635 mm (klassisches Hollandrad). Beide gibt es in 40 mm Breite, beide heißen 28 Zoll, und der eine passt nicht auf die Felge des anderen.
- „26 \n
- „26 Zoll" kann 559 mm sein (Mountainbike, Citybike) oder 590 mm (altes Hollandrad).
- „28 Zoll" und „29 Zoll" bezeichnen dieselbe Felge, nämlich 622 mm. Der Name richtet sich nur nach der Reifenbreite.
Diese Größen sehen wir im Alltag am häufigsten:
- 28-622 und 32-622: schlanke Reifen für Trekkingräder und schnelle Stadträder
- 37-622 und 40-622: die breiten Alltagsmaße mit gutem Komfort und Pannenschutz, unser meistverkaufter Bereich
- 47-559 und 50-559: typisch für ältere Citybikes und Mountainbikes mit 26-Zoll-Felgen
- 54-622 und 57-622: breite Reifen für Mountainbikes, Komfort und Lastenräder
- 40-635 und 37-590: die klassischen Hollandradmaße, die es nur noch selten gibt
Deshalb steht bei uns an jeder Reifengröße der ETRTO-Code vorn: 40-635 (Breite 40mm / Größe 28x1 1/2 Zoll - Hollandrad). Du liest die Zahlen von deiner Reifenflanke ab und findest sie eins zu eins wieder. Wer unsicher ist, bringt das Rad vorbei, wir lesen es in zehn Sekunden ab.
Der Pannenschutz: Wofür die Namen stehen
Jeder Hersteller nennt seine Schutzschicht anders. Was dahintersteckt, ist eine Gummi- oder Gewebeeinlage zwischen Lauffläche und Karkasse. Je dicker sie ist, desto weniger kommt durch, und desto schwerer wird der Reifen.
| Bezeichnung | Wo | Einordnung |
|---|---|---|
| SmartGuard | Marathon Plus, Plus Tour, Plus MTB | Die dickste Einlage im Programm, rund 5 mm Spezialgummi. Der Grund, warum der Marathon Plus als nahezu unplattbar gilt. |
| GreenGuard | Green Marathon | 3 mm Einlage aus recyceltem Gummi. Deutlich leichter als SmartGuard, im Alltag trotzdem sehr robust. |
| K-Shield | Kenda K935 K-Shield | Kendas Pannenschutzband. Der günstigste Weg zu spürbar weniger Pannen. |
| K-Guard, RaceGuard | Road Cruiser, Rapid Rob, Big Apple | Basisschutz. Reicht für ruhigere Strecken und gemäßigte Kilometerleistung. |
| ohne Zusatzschicht | Kenda Khan K935, K1172, Condura Coro | Preiswerter Ersatz, wenn ein Reifen einfach nur wieder rund laufen soll. |
Unsere häufigste Empfehlung für Berliner Alltagsstrecken ist der Marathon Plus. Glasscherben, Baustellen, Kopfsteinpflaster und Schienen sind hier Alltag, und wer täglich pendelt, rechnet den Aufpreis in etwa zwei vermiedenen Reparaturen wieder ein. Er ist dafür schwerer und rollt etwas schwerer als ein leichter Sportreifen. Wer das nicht will, fährt mit dem Green Marathon einen guten Kompromiss.
Breite und Profil: Was zu welchem Weg passt
Für Asphalt und feste Wege braucht es kein grobes Profil. Glatte oder fein strukturierte Reifen rollen leichter, sind leiser und verschleißen gleichmäßiger. Wer regelmäßig auf Schotter oder unbefestigten Strecken fährt, profitiert von einem Allround-Profil mit etwas mehr Struktur. Grobe Stollen wie beim Rapid Rob oder Smart Sam sind fürs Gelände gedacht; auf der Straße bremsen sie eher, als dass sie helfen.
Bei der Breite gilt eine einfache Faustregel: Breiter heißt mehr Luftvolumen, mehr Komfort und mehr Pannenschutz, aber auch mehr Gewicht. Schmaler heißt leichter und schneller, dafür empfindlicher gegenüber Kanten und Scherben.
- 23 bis 28 mm für Rennrad und sportliche Stadträder, etwa der Continental Ultra Sport III
- 32 bis 40 mm der Alltagsbereich, der bei uns am häufigsten über den Tresen geht
- 47 bis 55 mm für Komfort, Lastenräder und schlechte Wege, zum Beispiel der Big Apple mit seinem großen Luftvolumen
Wichtig ist, was der Rahmen hergibt. Zwischen Reifen und Schutzblech oder Gabel sollten rundum ein paar Millimeter Luft bleiben, sonst schleift es, sobald sich etwas Dreck sammelt. Im Zweifel messen wir das nach.
Luftdruck: Der meistunterschätzte Punkt
Auf jeder Reifenflanke steht ein Druckbereich, meist in bar und PSI. Breite Reifen brauchen weniger Druck, schmale mehr: Ein 37-622 Marathon Plus will 4 bis 6 bar, ein 50-559 dagegen nur 2 bis 5 bar.
Zu wenig Luft kostet gleich dreifach: Der Rollwiderstand steigt, der Reifen verschleißt schneller, und es kommt leichter zum Durchschlag. Die häufigsten Pannenursachen, die wir in der Werkstatt sehen, sind zwar Scherben und Rollsplit. Gleich danach kommt aber genau dieser Durchschlag: Beim Überfahren einer Bordsteinkante schlägt die Felge durch und stanzt zwei Löcher in den Schlauch, den berühmten Snakebite. Zu viel Luft macht den Reifen umgekehrt hart, unkomfortabel und anfälliger für Beschädigungen an der Lauffläche.
Unser Tipp: einmal im Monat prüfen. Schläuche verlieren auch ohne Defekt kontinuierlich Luft, das ist normal und kein Grund zur Sorge.
E-Bike: Was E-25 bedeutet
Reifen für E-Bikes tragen eine Freigabe nach ECE-R75. E-25 heißt zugelassen bis 25 km/h und damit für alle normalen Pedelecs. E-50 gilt für S-Pedelecs bis 45 km/h und ist bei diesen Rädern Pflicht. Aus unserem Sortiment trägt der Marathon Plus die E-25-Freigabe in allen Größen.
Genauso wichtig wie die Freigabe ist die zulässige Last. Sie hängt an der Reifenbreite und reicht von rund 65 kg bei kleinen Kinderradreifen bis 118 kg bei einem 50-559. Wer mit Kindersitz, Gepäck und Einkauf unterwegs ist, sollte hier nicht knapp kalkulieren. Ruf an oder komm vorbei, dann sagen wir dir, was deine Größe trägt.
Draht oder Falt?
Drahtreifen haben einen Stahldraht im Wulst. Sie sind günstiger, robuster und für den Alltag völlig richtig, dafür schwerer und sperrig zu transportieren. Faltreifen haben stattdessen Kevlarfasern, wiegen rund 50 bis 100 Gramm weniger und lassen sich als Ersatzreifen in die Satteltasche packen. Bei uns ist der Continental Super Sport Plus der einzige Faltreifen im Programm.
Wann ein Reifen fällig ist
Viele fahren auf Reifen, die längst fällig wären. Diese Zeichen sehen wir in der Werkstatt immer wieder:
- Die Lauffläche ist in der Mitte flach abgefahren, das Profil dort verschwunden
- Risse in der Seitenwand, oft bei Rädern, die lange draußen standen
- Häufige Pannen ohne erkennbaren Grund: Der Pannenschutz ist durchgefahren
- Die Karkasse zeichnet sich als Gewebe durch die Lauffläche ab, dann ist es höchste Zeit
Wichtig dabei: Ein abgefahrener Reifen verliert Grip und Pannenschutz deutlich früher, als er optisch auffällt. Wer wartet, bis es offensichtlich aussieht, ist schon eine ganze Weile mit weniger Sicherheit gefahren.
Ein guter Alltagsreifen hält bei täglicher Stadtnutzung zwischen 5.000 und 10.000 Kilometer, also grob zwei bis vier Jahre. Wechselt man Reifen paarweise, läuft das Rad ruhiger; zwingend ist es nicht.
Schlauch nicht vergessen
Zu jedem Reifen findest du bei uns direkt die passenden Schläuche verlinkt, ausgewählt über dieselbe ETRTO-Zahl. Worauf es dort ankommt, vor allem bei Ventilart und Ventillänge, steht in unserer Kaufberatung Fahrradschlauch. Beim Reifenwechsel lohnt sich der neue Schlauch fast immer, weil das Öffnen alter Flickstellen mehr Ärger macht, als die paar Euro wert sind.
Kommt vorbei
Unsicher bei Größe, Breite oder Freigabe? Bring das Rad in die Fahrradschmiede Berlin in Prenzlauer Berg oder ruf an unter +49 30 44039696. Wir lesen die ETRTO-Zahl ab, schauen uns Freiraum und Einsatz an und montieren auf Wunsch gleich mit. Die ganze Auswahl gibt es in der Kategorie Fahrradreifen.