Kein Bauteil wird in unserer Werkstatt in Berlin Prenzlauer Berg so oft repariert, nachgerüstet und ersetzt wie die Beleuchtung. Sobald im Oktober die Uhren umgestellt werden, stehen die Räder Schlange. Dieser Ratgeber beantwortet die Fragen, die dabei jeden Tag fallen: Was verlangt das Gesetz, wie viel Licht braucht man wirklich, und welche Stromquelle passt zu welchem Rad?
Was die StVZO verlangt
In Deutschland braucht jedes Fahrrad im Straßenverkehr einen weißen Scheinwerfer vorn und ein rotes Rücklicht hinten, beide mit deutschem Prüfzeichen. Das erkennst du an der Wellenlinie mit K-Nummer auf dem Gehäuse. Eine Lampe aus dem Baumarkt oder vom Online-Marktplatz ohne dieses Zeichen ist auf der Straße nicht zugelassen, egal wie hell sie ist. Alle Leuchten in unserer Beleuchtungs-Collection sind StVZO-konform.
Seit 2013 dürfen Scheinwerfer und Rücklicht auch mit Akku oder Batterie betrieben werden, ein Dynamo ist keine Pflicht mehr. Verboten bleibt Blinklicht: Front- und Rücklicht müssen dauerhaft leuchten. Dazu kommen die Reflektoren: weiß vorn, rot hinten (bei vielen Rücklichtern integriert), gelb an den Pedalen und zur Seite an Speichen oder Reifen, wobei ein Reflexstreifen am Reifen die Speichenreflektoren ersetzt.
Wie viel Lux brauchst du?
Lux misst, wie hell der Scheinwerfer die Fahrbahn ausleuchtet. Als Faustregel aus dem Werkstattalltag:
- 15 bis 20 Lux: reicht auf beleuchteten Stadtstraßen, wo es vor allem ums Gesehenwerden geht.
- 30 bis 50 Lux: die Pendlerklasse. Damit sind auch Parkwege und dunkle Nebenstraßen kein Blindflug mehr.
- 60 Lux und mehr: für unbeleuchtete Strecken am Stadtrand, im Grunewald oder auf dem Mauerweg.
Mehr Lux heißt nicht automatisch besser: Entscheidend ist auch das Lichtfeld. Ein guter 40-Lux-Scheinwerfer wie der CONTEC Luna 40 leuchtet breiter und gleichmäßiger als manche Lampe mit größerer Zahl auf dem Karton.
Die Stromquelle: die eigentliche Kaufentscheidung
Bei uns im Shop kannst du direkt nach der Stromquelle filtern, denn sie entscheidet, welche Lampe überhaupt an dein Rad passt.
Nabendynamo: Der Standard an neuen Alltagsrädern. Das Licht ist immer am Rad, lädt nie leer und kostet kaum spürbare Tretkraft. Wer täglich fährt, fährt damit am sorglosesten. Mit Standlicht und Einschaltautomatik, etwa beim DLUX 50 N++, muss man ans Licht überhaupt nicht mehr denken.
Seitenläuferdynamo: Der Klassiker am Reifen, typisch für ältere Stadt- und Hollandräder. Die Anlage lässt sich günstig instand halten: Lampe tauschen, Dynamo ersetzen, fertig.
Akku mit USB: Für Räder ohne Dynamo, vom Rennrad bis zum Singlespeed. Die Leuchten sitzen werkzeugfrei am Rad, wandern zum Laden mit in die Wohnung und lassen sich beim Abstellen abnehmen, was in Berlin auch Diebstahlschutz ist. Unsere häufigste Empfehlung fürs Pendeln ist das SIGMA Aura 60 Set.
Batterie: Die verlässlichste Lösung für Wenigfahrer. Ein Batterielicht liegt monatelang in der Schublade und funktioniert trotzdem sofort, ein leerer Akku hilft dagegen niemandem.
E-Bike-Bordnetz: Pedelec-Scheinwerfer hängen direkt am Akku des Rads und laufen mit 6 bis 12 Volt Gleichstrom. Ein Dynamolicht oder eine Akkulampe braucht es dann nicht mehr.
Funktionen, die den Unterschied machen
Standlicht hält dich an der Ampel sichtbar, wenn der Dynamo steht. Im Berliner Stop-and-go ist das keine Spielerei, sondern der Grund, warum wir fast nur noch Lampen mit Standlicht montieren. Einschaltautomatik per Hell-Dunkel-Sensor schaltet das Licht in Dämmerung und Tunnel selbst ein. Tagfahrlicht macht tagsüber sichtbar, was Studien zufolge Unfälle vermeiden hilft; im Sortiment hat es der B&M IQ-XS-T SensoPlus. Und das SIGMA Blaze bringt als einziges Rücklicht bei uns eine Bremslicht-Funktion mit: Ein Sensor erkennt das Bremsen und leuchtet heller auf.
Rücklicht: erst den Montageort klären
Vor dem Kauf lohnt ein Blick ans Heck: Wo soll das Licht sitzen? Am Gepäckträger sitzt es geschützt und fest verschraubt; miss vorher den Lochabstand der Befestigung, üblich sind 50 oder 80 mm, unser TL-135 gibt es für beide. Am Schutzblech sitzt der Klassiker am Stadtrad. An der Sattelstütze klemmen die Akku-Rücklichter, sofern dort Platz ist und keine Tasche hängt. Und für sportliche Räder ohne Träger und Blech gibt es Halter für den Cantilever-Sockel.
Wer hinten Gepäck transportiert, prüft nach dem Beladen einmal von hinten, ob das Rücklicht noch frei sichtbar ist. Hoch gepackte Taschen und Körbe verdecken es schnell. Worauf es bei Packtaschen sonst ankommt, steht in unserer Kaufberatung Fahrradtaschen.
Werkstattwissen: wenn das Licht flackert
Die häufigste Diagnose bei „mein Licht geht nicht“: kein Defekt an der Lampe, sondern ein Masseproblem. Bei alten Anlagen läuft der Rückstrom über Rahmen und Schutzblech, und jede rostige Schraube unterbricht ihn. Die dauerhafte Lösung ist zweiadriges Lichtkabel, bei dem Strom und Masse sauber durchs Kabel laufen. Danach folgen in der Fehlerstatistik: korrodierte Kabelschuhe, durchgebrannte Glühlampen bei alten Anlagen und abgefahrene Dynamo-Laufringe. Alles Teile für wenige Euro, die wir auf Wunsch in wenigen Minuten tauschen.
Häufige Fragen
Darf mein Licht blinken? Nein. Front- und Rücklicht müssen im Straßenverkehr dauerhaft leuchten, Blinkmodi sind nicht zugelassen.
Reicht eine helle Taschenlampe am Lenker? Ohne Prüfzeichen nein, und sie blendet meist auch den Gegenverkehr, weil ihr die geformte Hell-Dunkel-Grenze fehlt.
Muss ich bei Tag mit Licht fahren? Pflicht ist es nicht, aber Tagfahrlicht macht dich im Berliner Verkehr deutlich früher sichtbar.
Akku oder Dynamo? Wer täglich fährt und einen Nabendynamo hat oder nachrüsten kann, fährt damit am sorglosesten. Wer sein Rad ohne Dynamo liebt, ist mit einem guten USB-Set wie dem Aura 60 genauso legal unterwegs, muss nur ans Laden denken.
Du bist unsicher, was an dein Rad passt? Bring es vorbei oder ruf an unter +49 30 44039696. Wir prüfen die Anlage, stellen den Scheinwerfer richtig ein und montieren auf Wunsch gleich mit. Passend zur dunklen Jahreszeit lohnt auch ein Blick in unsere Ratgeber Kaufberatung Fahrradhelm und Kaufberatung Fahrradschloss.