Kaufberatung Fahrradbremse: Bauart erkennen, Beläge und Hebel richtig wählen

Fahrradschmiede Berlin
Person schiebt ein Fahrrad über den Gehweg, die Hand liegt am Bremshebel des geraden Lenkers

Ein Bremsbelag passt immer nur in einen bestimmten Bremssattel. Fast jeder Hersteller baut eine eigene Belagform, und die Modellnummer steht selten gut sichtbar am Rad. Dieser Text zeigt dir, wie du die Bauart deiner Bremse bestimmst und danach den passenden Belag findest.

Schritt eins: Welche Bremse ist verbaut?

Schau von der Seite auf das Vorderrad.

  • Die Bremse greift auf die Felgenflanke: Du hast eine Felgenbremse.
  • Die Bremse sitzt an der Nabe und greift auf eine Metallscheibe: Du hast eine Scheibenbremse.

Bei den Felgenbremsen gibt es vier Bauarten, die sich mit bloßem Auge unterscheiden lassen:

Bauart Woran du sie erkennst Typisch an
V-Brake Zwei lange, senkrechte Arme am Rahmensockel, der Zug kommt seitlich über ein gebogenes Röhrchen Trekking, MTB, Alltagsrad ab etwa 1995
Cantilever Zwei kurze, schräg nach außen stehende Arme, der Zug kommt von oben über ein Querkabel Ältere Trekkingräder, Cyclocross, Reiseräder
Seitenzug Ein einzelner Bügel über dem Reifen, mit einer Schraube durch Gabel oder Hinterbau befestigt Rennrad, Hollandrad, klassisches Stadtrad
Hydraulische Felgenbremse Sieht aus wie eine V-Brake, aber statt eines Zuges führt eine dicke Leitung zum Hebel Magura HS11, HS22, HS24, HS33

Felgenbremsbeläge: Länge, Befestigung, Bauart

Drei Angaben entscheiden, ob ein Belag passt.

Die Länge misst du am alten Belag über die Gummifläche, nicht über den Halter. Gängig sind 70 und 72 mm bei V-Brake und Cantilever, 55 mm bei Seitenzug und hydraulischer Felgenbremse, 35 mm bei kurzen Rennbremsen. Ein zu langer Belag schleift am Reifen oder rutscht über die Felgenflanke hinaus, beides ist gefährlich.

Die Befestigung ist entweder eine Schraube mit Kugelscheiben, mit der sich der Belag in alle Richtungen ausrichten lässt, oder ein glatter Steckbolzen, der nur in eine Richtung passt. Schraubbeläge sitzen an V-Brakes und Seitenzugbremsen, Steckbeläge an vielen Cantilever- und Magura-Bremsen.

Die Bauart unterscheidet feste Beläge von Cartridge-Belägen. Beim festen Belag wirfst du den kompletten Schuh weg, wenn das Gummi runter ist. Beim Cartridge-Schuh ziehst du nur den Gummieinsatz heraus und schiebst einen neuen hinein, der Halter bleibt am Rad und muss nicht neu ausgerichtet werden. Das lohnt sich, sobald du öfter als einmal im Jahr wechselst, und es spart bei jedem Wechsel die Viertelstunde Justierarbeit.

Die Gummimischung nennen die Hersteller Compound. Eine mittelharte Mischung ist der Standard für Alltagsräder. Mischungen aus zwei oder drei Komponenten setzen weichere Zonen an den Rand, damit die Bremse bei Nässe früher greift; sie kosten mehr und nutzen sich schneller ab.

Scheibenbremsbeläge: die Passung entscheidet

Ein Scheibenbremsbelag passt genau in einen Bremssattel und in keinen anderen. Maßgeblich ist allein das Modell des Sattels. So findest du es heraus:

  1. Schau seitlich auf den Bremssattel. Fast immer steht dort eine Nummer eingraviert oder aufgedruckt, zum Beispiel BR-MT200 oder MT4.
  2. Findest du nichts, bau den alten Belag aus. Viele Beläge tragen die Herstellernummer auf der Trägerplatte.
  3. Hilft auch das nicht, fotografiere den Sattel von der Seite und von oben und bring das Foto mit. Die Form der Trägerplatte ist eindeutig genug.

Danach entscheidest du über die Belagmischung:

Organisch (Resin) Sintermetall
Bremskraft kalt sofort da braucht ein paar Meter
Bei langer Abfahrt lässt nach bleibt stabil
Standzeit kürzer länger
Geräusch leise oft hörbar
Passt zu Stadt, Alltag, Trekking schweres Rad, Anhänger, lange Abfahrten, E-Bike

Für das Berliner Stadtrad ist organisch fast immer die richtige Wahl. Sintermetall lohnt sich, wenn du viel Gewicht bewegst oder oft im Gebirge unterwegs bist. Wichtig: Nicht jede Bremsscheibe verträgt Sintermetall. Steht auf der Scheibe Resin only oder Resin pad only, gehören ausschließlich organische Beläge hinein.

Bremsscheiben: Durchmesser, Aufnahme, Mindeststärke

Der Durchmesser steht meist auf der Scheibe selbst. Gängig sind 140, 160, 180 und 203 mm. Eine größere Scheibe arbeitet bei gleicher Handkraft mit mehr Hebel und wird weniger heiß. Tauschst du auf einen anderen Durchmesser, brauchst du fast immer einen Adapter am Bremssattel.

Die Aufnahme ist entweder 6-Loch (IS) mit sechs kleinen Torx-Schrauben oder Center Lock mit einem einzelnen Verschlussring. Das entscheidet die Nabe, nicht die Bremse. Beides lässt sich nicht ineinander umbauen.

Die Mindeststärke steht ebenfalls auf der Scheibe. Neue Scheiben sind je nach Modell 1,8 oder 2,0 mm dick, die Verschleißgrenze liegt meist bei 1,5 mm. Ist sie erreicht, gehört die Scheibe getauscht, auch wenn sie noch gut aussieht.

Bremshebel: Long-Pull und Short-Pull

Hebel sind nicht beliebig kombinierbar, denn sie ziehen unterschiedlich viel Seil pro Handbewegung.

  • Long-Pull zieht viel Seil und gehört an eine V-Brake.
  • Short-Pull zieht wenig Seil und gehört an Cantilever- und Seitenzugbremsen.

Setzt du einen Short-Pull-Hebel an eine V-Brake, bewegen sich die Bremsarme kaum und die Bremse packt nicht zu. Umgekehrt schlägt der Long-Pull-Hebel an einer Cantileverbremse an den Lenker, bevor die Bremse richtig greift. Beides ist ein Bauteilfehler, nachjustieren hilft nicht.

Zwei weitere Angaben brauchst du: das Klemmmaß am Lenker, in aller Regel 22,2 mm, und die Fingerzahl. Ein 2-Finger-Hebel ist kurz und sitzt weiter außen, ein 3-Finger-Hebel ist länger und passt besser zu aufrechten Sitzpositionen mit viel Handkraft.

Hydraulik: DOT und Mineralöl nie verwechseln

Hydraulische Bremsen laufen entweder mit DOT-Bremsflüssigkeit oder mit Mineralöl. Welche Sorte hineingehört, bestimmt der Hersteller:

  • Mineralöl: Shimano, Magura, Tektro
  • DOT 4 oder DOT 5.1: SRAM, Avid, Hope, Formula

Die beiden vertragen sich nicht. Kommt DOT in ein Mineralöl-System, quellen die Dichtungen auf und die Bremse fällt aus, oft erst nach einigen Tagen. Umgekehrt werden die Dichtungen hart und undicht. Im Zweifel nicht selbst nachfüllen, sondern die Bremse in der Werkstatt entlüften lassen. DOT ist außerdem hygroskopisch, zieht also Wasser aus der Luft; eine angebrochene Flasche gehört nach etwa einem Jahr entsorgt.

Der Bremszug: das Teil zwischen Hebel und Bremse

Eine mechanische Bremse ist nur so gut wie der Zug, der sie betätigt. Ein angerosteter Innenzug oder eine innen verharzte Außenhülle kostet Bremskraft, und zwar unabhängig davon, wie neu die Beläge sind. Am Bremszug entscheiden der Durchmesser von 1,5 mm und die Nippelform: Walzennippel für Bremshebel am geraden Lenker, Birnennippel am Rennradlenker. Die Außenhülle für die Bremse misst 5 mm und ist spiralförmig gewickelt, damit sie die Druckkraft aushält; eine Schalthülle darf hier nicht verbaut werden. Alles dazu steht in der Kaufberatung Bowdenzug, das Sortiment unter Züge & Hüllen.

Wann ist ein Wechsel fällig?

  • Felgenbelag: Wenn die Querrillen im Gummi verschwunden sind oder der Belag schräg abgelaufen ist. Beläge immer paarweise pro Rad tauschen.
  • Scheibenbelag: Wenn die Belagstärke inklusive Trägerplatte unter etwa 2,5 mm liegt oder die Bremse metallisch schleift. Auch hier paarweise.
  • Felge: Die meisten Felgen haben eine Verschleißrille oder einen Punkt in der Flanke. Ist die Rille weg oder wölbt sich die Flanke nach außen, ist die Felge am Ende. Neue Beläge retten sie nicht.
  • Bremszug: Sobald einzelne Drähte am Hebel oder an der Klemmschraube gebrochen sind. Ersatz gibt es unter Züge & Hüllen.

Worauf du beim Wechsel achtest

  1. Beläge nach dem Sattelmodell kaufen. Der Scheibendurchmesser sagt nichts über die Belagform.
  2. Immer beide Beläge tauschen. Zwei unterschiedlich abgenutzte Beläge ziehen die Bremse schief und lassen den Kolben einseitig arbeiten.
  3. Die Scheibe prüfen, bevor neue Beläge hineinkommen. Eine Scheibe mit Ölfilm oder Politur nimmt den neuen Belag sofort mit. Scheibe reinigen oder tauschen.
  4. Beim Ölen die Bremse abdecken. Ein einziger Spritzer Kettenöl macht Belag und Scheibe unbrauchbar. Ein Stück Pappe zwischen Kette und Bremse genügt.
  5. Hebel und Bremse zusammen passend wählen. Long-Pull an Cantilever lässt sich nicht wegjustieren.
  6. Neue Beläge einbremsen. Zehn bis zwanzig mal aus mittlerem Tempo kontrolliert abbremsen, ohne die Bremse zum Stillstand zu ziehen. Erst danach hat die Bremse ihre volle Kraft.

Häufige Fragen

Kann ich mein Rad von Felgenbremse auf Scheibenbremse umbauen?
Nur wenn Rahmen und Gabel Bremssattelaufnahmen haben und die Naben für Bremsscheiben gebohrt sind. Fehlt eines davon, ist der Umbau nicht sinnvoll machbar.

Warum quietscht meine Scheibenbremse?
Meist ist die Scheibe verschmutzt oder der Sattel steht nicht mittig. Bei Nässe quietschen auch saubere Bremsen kurz, das legt sich nach ein paar Metern.

Sind teure Beläge besser?
Sie halten länger oder greifen bei Nässe früher. Für ein Rad, das im Sommer zur Arbeit fährt, reicht die Standardmischung. Wer täglich bei jedem Wetter fährt oder Lasten bewegt, merkt den Unterschied.

Wie viele Beläge brauche ich?
Pro Rad zwei Beläge, also ein Satz. Für vorne und hinten brauchst du zwei Sätze. Die Packungsangabe steht bei jedem Artikel dabei.

Weiter im Sortiment

Alle Bremsteile findest du in der Sammlung Bremsen, die Scheiben gesondert unter Bremsscheiben und die Hebel unter Bremshebel. Weil eine Felgenbremse nur so gut ist wie die Felgenflanke, auf der sie arbeitet, lohnt sich der Blick in die Kaufberatung Fahrradreifen. Wer im Dunkeln unterwegs ist, findet das Passende in der Kaufberatung Fahrradbeleuchtung.

Du kommst nicht weiter? Bring das Rad vorbei oder schick uns ein Foto vom Bremssattel. Wir schauen nach, welcher Belag passt.

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