Für den passenden Bremsbelag brauchst Du die Bauart und meist auch die Modellbezeichnung Deiner Bremse. Manche Beläge passen zu mehreren Modellen, andere nur zu einer bestimmten Baureihe. Dieser Text zeigt Dir, wie Du Deine Bremse erkennst und danach den passenden Belag findest.
Welche Bremse ist an Deinem Rad verbaut?
Schau von der Seite auf das Vorderrad.
- Die Bremse greift auf die Felgenflanke: Du hast eine Felgenbremse.
- Die Bremse greift auf eine Metallscheibe neben der Nabe: Du hast eine Scheibenbremse.
Prüfe das Hinterrad ebenfalls, dort kann eine andere Bauart sitzen. Bei einer Rücktritt-, Trommel- oder Rollenbremse liegt die Bremsmechanik an oder in der Nabe. Die hier beschriebenen Felgen- und Scheibenbremsbeläge passen dafür nicht.
Bei den Felgenbremsen begegnen Dir häufig diese vier Bauarten:
| Bauart | Woran Du sie erkennst | Typisch an |
|---|---|---|
| V-Brake | Zwei lange Arme auf getrennten Bremssockeln, der Zug kommt seitlich über ein gebogenes Röhrchen | Trekking, MTB, Alltagsrad |
| Cantilever | Zwei meist schräg nach außen stehende Arme, verbunden durch ein Querkabel | Ältere Trekkingräder, Cyclocross, Reiseräder |
| Seitenzug | Zwei Bremsarme über dem Reifen, der Zug wird seitlich geführt; häufig zentrale Befestigung an Gabel oder Hinterbau | Rennrad, klassisches Stadtrad |
| Hydraulische Felgenbremse | Zwei Bremszylinder drücken die Beläge gegen die Felge, eine Hydraulikleitung führt zum Hebel | Räder mit Magura HS11, HS22, HS24 oder HS33 |
Felgenbremsbeläge: Länge, Befestigung, Bauart
Drei Angaben helfen Dir bei der Auswahl. Zusätzlich muss die Belagmischung zur Bremsfläche Deiner Felge passen.
Die Länge misst Du am alten Belag über die Gummifläche, nicht über den Halter. Sie hilft beim Vergleichen, reicht allein aber nicht aus. Form und Befestigung müssen ebenfalls passen. Am eingebauten Belag prüfst Du, ob er vollständig auf der Bremsfläche aufliegt und den Reifen nicht berührt.
Die Befestigung erkennst Du am alten Bremsschuh. V-Brakes haben meist einen Gewindebolzen mit gewölbten Unterlegscheiben zum Ausrichten. Bei Cantileverbremsen gibt es sowohl Gewindebolzen als auch glatte Bolzen, die im Bremsarm festgeklemmt werden. Seitenzugbremsen verwenden eigene Bremsschuhe mit Gewindebefestigung. Magura-HS-Beläge werden in die passende Aufnahme am Bremszylinder eingeklipst. Das ist eine andere Befestigung als der glatte Bolzen einer Cantileverbremse.
Die Bauart unterscheidet feste Beläge von Cartridge-Belägen. Beim festen Belag tauschst Du den kompletten Bremsschuh, wenn das Gummi runter ist. Beim Cartridge-Schuh wechselst Du nur den passenden Gummieinsatz. Der Halter kann am Rad bleiben. Ausrichtung, Sicherung und Abstand zur Felge kontrollierst Du anschließend trotzdem.
Die Gummimischung nennen die Hersteller Compound. Wähle eine Mischung, die für Deine Felgenoberfläche freigegeben ist. Gerade bei Carbonfelgen brauchst Du die dafür vorgesehenen Beläge. Mehrere Farben oder Komponenten allein sagen noch nicht, wie gut ein Belag bei Nässe bremst oder wie lange er hält.
Welche Beläge passen zu Deiner Scheibenbremse?
Maßgeblich ist das Modell des Bremssattels und die dazugehörige Kompatibilitätsangabe des Belags. Eine Belagform kann für mehrere Bremssättel freigegeben sein. So findest Du heraus, was Du brauchst:
- Schau seitlich auf den Bremssattel. Oft steht dort eine Modellbezeichnung, zum Beispiel BR-MT200 oder MT4.
- Findest Du nichts, schau auf die Trägerplatte des alten Belags. Viele Beläge tragen dort eine Herstellernummer. Bau ihn nur aus, wenn Du mit dem anschließenden Einbau vertraut bist.
- Hilft auch das nicht, fotografiere den Sattel von der Seite und von oben und bring das Foto mit. Ein Foto des alten Belags hilft zusätzlich. Ich gleiche die Angaben mit der passenden Belagform ab.
Danach entscheidest Du über die Belagmischung. Die Eigenschaften unterscheiden sich je nach Hersteller und Modell. Als Orientierung:
| Organisch (Resin) | Sintermetall | |
|---|---|---|
| Bremsgefühl | Häufig gut dosierbar und geräuscharm | Je nach Mischung kräftiger und deutlicher hörbar |
| Hohe Belastung | Modell und Freigabe beachten | Häufig für anhaltend hohe Belastung angeboten |
| Verschleiß | Hängt von Mischung und Einsatz ab | Unter vergleichbaren Bedingungen häufig längere Standzeit |
| Auswahl | Für Alltag und Touren oft eine passende Wahl | Bei langen Abfahrten oder viel Schmutz einen Blick wert |
Für das Berliner Stadtrad würde ich zuerst nach einem passenden organischen Belag schauen. Bei viel Gewicht oder langen Abfahrten lohnt sich der Vergleich mit anderen freigegebenen Mischungen. Wichtig: Nicht jede Bremse und Bremsscheibe verträgt Sintermetall. Steht auf der Scheibe Resin only oder Resin pad only, gehören ausschließlich dafür freigegebene organische Beläge hinein.
Bremsscheiben: Durchmesser, Aufnahme, Mindeststärke
Der Durchmesser steht meist auf der Scheibe selbst. Übernimm beim normalen Austausch die vorhandene, freigegebene Größe. Eine größere Scheibe kann durch den längeren Hebelarm mehr Bremsmoment erzeugen. Für einen Wechsel müssen aber auch Rahmen, Gabel und Bremse die Größe erlauben. Häufig brauchst Du zusätzlich einen passenden Adapter am Bremssattel.
Die Aufnahme ist entweder 6-Loch mit sechs Schrauben oder Center Lock mit einem Verschlussring. Sie muss zur Nabe passen. Für bestimmte Kombinationen gibt es Adapter, etwa für eine 6-Loch-Scheibe auf einer Center-Lock-Nabe. Ob das funktioniert, hängt von der konkreten Nabe, Scheibe und dem Adapter ab.
Die Mindeststärke findest Du auf der Scheibe oder in der Herstelleranleitung. Es gibt keinen einheitlichen Wert für alle Modelle. Auch die Dicke einer neuen Scheibe muss zur Bremse passen. Ist die Verschleißgrenze erreicht, gehört die Scheibe getauscht, auch wenn sie noch gut aussieht.
Bremshebel: Long-Pull und Short-Pull
Bei mechanischen Bremsen sind Hebel nicht beliebig kombinierbar, denn sie ziehen unterschiedlich viel Seil pro Handbewegung.
- Long-Pull zieht viel Seil und gehört normalerweise an eine V-Brake mit langen Armen.
- Short-Pull zieht weniger Seil und gehört normalerweise an Cantilever- und Seitenzugbremsen.
Ausnahmen wie Mini-V-Brakes und mechanische Scheibenbremsen prüfst Du nach Modell. Auch bei Rennradbremsen muss die konkrete Kombination aus Hebel und Bremse freigegeben sein.
Ein Short-Pull-Hebel kann an einer normalen V-Brake am Lenker anliegen, bevor die Bremse ausreichend greift. Ein Long-Pull-Hebel an einer Short-Pull-Bremse zieht zwar genügend Seil, liefert aber zu wenig mechanische Übersetzung: Du musst deutlich stärker am Hebel ziehen. Die falsche Kombination lässt sich durch Nachstellen des Zuges nicht beheben.
Zwei weitere Angaben brauchst Du: das Klemmmaß am Lenker und die Hebellänge. Am geraden Lenker sind 22,2 mm verbreitet; Rennradhebel haben andere Aufnahmen. Ein 2-Finger-Hebel ist kürzer als ein 3-Finger-Hebel. Entscheidend ist, dass Du ihn aus Deiner Griffposition gut erreichst und die Bremse sicher bedienen kannst.
Hydraulik: DOT und Mineralöl nie verwechseln
Hydraulische Bremsen arbeiten mit der Flüssigkeit, die für das konkrete Modell vorgeschrieben ist. Die Marke allein reicht zur Auswahl nicht aus. SRAM bietet beispielsweise sowohl DOT-Bremsen als auch Mineralölbremsen wie die Maven an.
Schau deshalb auf die Beschriftung am Hebel und in die Anleitung Deiner Bremse. Verwende genau die dort freigegebene Flüssigkeit. DOT und Mineralöl dürfen nicht gemischt oder gegeneinander ausgetauscht werden. Auch innerhalb dieser Gruppen ist nicht jede Flüssigkeit automatisch geeignet.
Eine falsche Flüssigkeit kann Dichtungen beschädigen und die Bremse ausfallen lassen. Falls bereits etwas Falsches eingefüllt wurde, fahr damit nicht weiter und lass die Bremse prüfen. Einfaches Nachfüllen oder Entlüften behebt einen solchen Schaden nicht zuverlässig. Für Lagerung und Haltbarkeit einer geöffneten Flasche gelten die Angaben des Flüssigkeitsherstellers.
Welchen Bremszug brauchst Du?
Bei einer mechanischen Bremse beeinflusst auch der Zustand von Zug und Hülle die Bedienung. Ein angerosteter Innenzug oder eine schwergängige Außenhülle kostet Bremskraft, unabhängig davon, wie neu die Beläge sind. Am Bremszug müssen Durchmesser und Nippelform zum Hebel passen. Am geraden Lenker ist häufig ein Walzennippel verbaut, am Rennradlenker ein Birnennippel. Vergleiche die Ausführung mit dem alten Zug oder der Herstellerangabe.
Verwende eine ausdrücklich für Bremsen geeignete Außenhülle. Neben spiralförmig gewickelten Hüllen gibt es speziell verstärkte, kompressionsarme Bremshüllen. Eine normale Schalthülle darfst Du dafür nicht verwenden. Alles dazu steht in der Kaufberatung Bowdenzug, das Sortiment unter Züge & Hüllen.
Wann ist ein Wechsel fällig?
- Felgenbelag: Wenn die Verschleißmarkierung erreicht ist oder der Belag beschädigt ist. Bei schrägem Verschleiß muss auch die Ausrichtung geprüft werden. Beläge immer als vollständigen Satz pro Bremse tauschen.
- Scheibenbelag: Wenn die modellspezifische Verschleißgrenze erreicht ist. Manche Hersteller geben die Dicke des Reibmaterials an, andere die Gesamtdicke mit Trägerplatte. Achte darauf, welchen Wert Du misst. Bei metallischem Schleifen nicht weiterfahren und die Ursache prüfen.
- Felge: Kontrolliere den Verschleißindikator nach Anleitung des Felgenherstellers. Je nach Bauart verschwindet eine Markierung oder wird erst bei Verschleiß sichtbar. Eine nach außen gewölbte oder gerissene Bremsflanke gehört sofort geprüft. Neue Beläge beheben den Felgenschaden nicht.
- Bremszug: Sobald einzelne Drähte gebrochen sind oder der Zug durch Korrosion beschädigt ist. Ersatz gibt es unter Züge & Hüllen.
Worauf solltest Du beim Bremsenwechsel achten?
- Beläge nach dem Bremsmodell kaufen. Bei Scheibenbremsen sagt der Scheibendurchmesser nichts über die Belagform.
- Den vollständigen Belagsatz einer Bremse tauschen. Prüfe dabei auch, warum die alten Beläge gegebenenfalls ungleichmäßig abgenutzt sind.
- Die Scheibe prüfen, bevor neue Beläge hineinkommen. Kontrolliere Verschleiß, Beschädigungen und Verschmutzung. Reinige sie nach Herstellervorgabe, beispielsweise mit Isopropylalkohol, wenn dafür freigegeben.
- Beim Ölen die Bremse schützen. Kettenöl gehört weder auf Beläge noch auf Bremsflächen. Verölte Beläge müssen ersetzt werden; eine verschmutzte Scheibe lässt sich häufig reinigen. Ein Spritzer Öl bedeutet also nicht automatisch, dass auch die Scheibe ersetzt werden muss.
- Hebel und Bremse zusammen passend wählen. Die Seilübersetzung muss stimmen; bei hydraulischen Bremsen müssen Hebel, Leitung und Bremssattel als Kombination geeignet sein.
- Neue Scheibenbremsbeläge einbremsen. Befolge die Anleitung Deiner Bremse. Dazu gehören wiederholte kontrollierte Bremsungen auf einer freien Strecke. Anzahl, Geschwindigkeit und Ablauf unterscheiden sich je nach Hersteller.
Häufige Fragen
Kann ich mein Rad von Felgenbremse auf Scheibenbremse umbauen?
Rahmen und Gabel müssen für Scheibenbremsen vorgesehen sein und passende Bremssattelaufnahmen haben. Auch die Naben brauchen eine passende Scheibenaufnahme. Dazu kommen geeignete Bremsen, Hebel und Leitungen oder Züge. Fehlen die Voraussetzungen an Rahmen oder Gabel, ist das kein einfacher Teiletausch.
Warum quietscht meine Scheibenbremse?
Mögliche Ursachen sind Verschmutzung, nicht richtig eingebremste Beläge oder eine ungünstige Ausrichtung. Bei Nässe können auch saubere Bremsen Geräusche machen. Bleibt das Quietschen bestehen oder lässt die Bremswirkung nach, lass die Ursache prüfen.
Sind teure Beläge besser?
Der Preis allein sagt das nicht. Unterschiede können in der Mischung, Haltbarkeit oder Wärmeabfuhr liegen. Prüfe zuerst, welche Ausführung für Deine Bremse freigegeben ist und zu Deinem Einsatz passt. Für den Alltag kann ein freigegebener Standardbelag völlig ausreichen.
Wie viele Beläge brauche ich?
Du brauchst einen vollständigen Satz für die jeweilige Bremse. Häufig sind das zwei Beläge, bei manchen Scheibenbremsen auch vier einzelne. Prüfe den Packungsinhalt. Vorne und hinten können unterschiedliche Beläge verbaut sein.
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Du kommst nicht weiter? Bring das Rad vorbei oder schick uns ein Foto vom Bremssattel. Ich schaue nach, welcher Belag passt.



