Drei Flaschen, zwei Tuben und eine Spraydose stehen im Regal, und die häufigste Frage in der Werkstatt lautet: Was davon kommt jetzt wohin? Diese Kaufberatung sortiert das. Sie erklärt, was Öl, Fett und Kriechöl unterscheidet, welches Mittel an welche Stelle am Rad gehört und wie oft du nachlegen musst.
Die eine Regel, die fast alles erklärt
Schmierstoffe am Fahrrad teilen sich in drei Gruppen, und jede hat genau eine Aufgabe.
- Öl ist dünn und kriecht in enge Gelenke. Es gehört an die Kette, denn dort muss der Schmierstoff zwischen Bolzen und Hülse gelangen, also in einen Spalt von Bruchteilen eines Millimeters.
- Fett ist zäh und bleibt liegen. Es gehört in Lager, also in Innenlager, Steuersatz, Naben und Pedale, wo Kugeln in einer Schale laufen und der Schmierstoff monatelang an Ort und Stelle bleiben soll.
- Kriechöl ist noch dünner als Kettenöl und dafür gemacht, Korrosion zu lösen. Es gehört an festsitzende Schrauben, an Züge und an Gelenke, nicht an die Kette und nicht in ein Lager.
Wer diese drei auseinanderhält, macht beim Rest wenig falsch. Die meisten Schäden, die bei uns auf dem Montageständer landen, entstehen daraus, dass eine Gruppe an der Stelle einer anderen benutzt wurde.
Was wohin gehört
| Stelle am Rad | Mittel | Warum |
|---|---|---|
| Kette | Kettenöl oder Kettenfett-Spray | muss ins Gelenk kriechen und dort unter Druck bleiben |
| Innenlager, Steuersatz, Naben, Pedale | Lagerfett | muss in der Lagerschale liegen bleiben, auch bei Nässe |
| Shimano Nexus Getriebenabe | Getriebenabenfett | vom Hersteller vorgegeben, ein zu zähes Fett bremst die Schaltklinken |
| Brems- und Schaltzüge | Kriechöl, sparsam | löst Schwergängigkeit, ohne den Zug in der Hülle zu verkleben |
| Festsitzende Schrauben | Rostlöser | unterkriecht die Korrosion im Gewinde |
| Bremsflächen, Bremsbeläge, Felgenflanken, Bremsscheiben | gar nichts | jeder Schmierstoff kostet dort Bremsleistung |
Die letzte Zeile ist keine Formalie. Ein einziger Sprüher Kriechöl, der auf die Bremsscheibe nebelt, macht den Belag unbrauchbar, und der lässt sich nicht wieder sauber putzen.
Die Kette: erst reinigen, dann schmieren
Der wichtigste Satz zur Kettenpflege ist nicht, welches Öl du nimmst, sondern in welcher Reihenfolge du arbeitest. Frisches Öl auf eine schmutzige Kette bindet den alten Dreck und macht daraus eine Paste, die im Gelenk wie Schleifmittel arbeitet. Die Kette läuft danach leiser und verschleißt schneller.
Richtig ist also: reinigen, trocknen lassen, schmieren, den Überschuss abwischen. Zum Reinigen reicht ein Tuch mit Kettenreiniger; bequemer und gründlicher geht es mit einem Kettenreinigungsgerät, das die Kette im eingebauten Zustand von allen Seiten bürstet. Wichtig ist der Schritt danach: Eine entfettete Kette ist blank und rostet ohne frische Schmierung sehr schnell an.
Öl oder Spray?
Beides schmiert die Kette, der Unterschied liegt in der Dosierung. Das Kettenöl in der Tropfflasche gibst du Tropfen für Tropfen auf die einzelnen Rollen. Das dauert eine Minute länger und ist dafür sparsam und präzise. Das Kettenfett aus der Spraydose geht schneller, lässt sich mit dem Schnorchel ebenfalls gezielt setzen und trocknet stärker ab, sodass weniger Staub hängen bleibt.
Beide Mittel in unserem Sortiment sind vom Hersteller für trockene wie nasse Verhältnisse ausgewiesen. Die im Rennsport übliche Trennung in Trocken- und Nassöl brauchst du am Alltagsrad nicht mitzumachen; ein Allwettermittel ist für ein Rad, das das ganze Jahr draußen steht, die praktischere Wahl.
In beiden Fällen gilt: Zu viel ist schlechter als zu wenig. Was außen auf den Laschen steht, schmiert nichts und fängt nur Staub. Nach dem Auftragen die Pedale ein paar Umdrehungen rückwärts drehen und den Überschuss mit einem Tuch abnehmen.
Lager: welches Fett und wie viel
Für fast alle Lager am Rad reicht ein wasserbeständiges Mehrzweckfett. Der Unterschied zwischen unseren beiden Lagerfetten ist deshalb kein fachlicher, sondern einer der Menge und der Handhabung. Die 40-g-Dose Kugellagerfett ist die kleine Packung für die einzelne Reparatur, und aus der flachen Dose lässt sich eine Lagerschale bequem mit dem Finger ausstreichen. Die 100-g-Tube Lagerfett ist die größere Menge und dosiert genauer, weil du mit der Tubenspitze direkt in die Schale gehst.
Fett kommt beim Zerlegen ins Lager, nicht von außen darauf. Ein Lager, das man von außen einsprüht, bekommt keinen neuen Schmierstoff, sondern nur eine verschmutzte Dichtlippe. Wenn ein Innenlager knarzt oder ein Steuersatz rastet, hilft kein Spray, sondern nur öffnen, reinigen, neu fetten oder tauschen. Passende Teile findest du unter Innenlager und Steuersätze.
Die Getriebenabe ist ein Sonderfall
In einer Shimano-Nexus-Nabe laufen Planetenräder, Schaltklinken und Lager dicht beieinander in einem geschlossenen Gehäuse. Ein zu zähes oder falsch aufgebautes Fett bremst die Klinken aus, und die Nabe schaltet im Kalten hakelig. Shimano gibt dafür ein eigenes Getriebenabenfett vor. Normales Lagerfett ersetzt es an dieser Stelle nicht. Der Wechsel selbst setzt voraus, dass die Nabe zerlegt und der Schaltmechanismus danach wieder korrekt eingestellt wird; im Zweifel ist das ein Fall für die Werkstatt.
Vier Fehler, die wir regelmäßig sehen
- Kriechöl auf die Kette. Der häufigste Fehler überhaupt. Ein Kriechöl wie WD-40 oder Turbo-Spray wäscht die vorhandene Schmierung aus dem Gelenk und ist selbst zu dünn, um sie zu ersetzen. Die Kette läuft danach ein paar Kilometer auffällig leicht und dann trocken. Wer entfettet hat, muss anschließend richtig schmieren.
- Fett an der Kette. Lagerfett bleibt außen auf den Laschen liegen, kriecht nicht ins Gelenk und bindet Staub. Kettenfett aus der Spraydose ist etwas anderes: Es ist auf die Kette abgestimmt und trägt seinen Schmierstoff hinein.
- Öl statt Fett im Lager. Öl läuft aus der Lagerschale heraus. Nach wenigen Wochen ist das Lager trocken, und der Schaden zeigt sich erst, wenn die Laufbahn schon eingelaufen ist.
- Zu viel von allem. Schmierstoff, der außen sichtbar ist, arbeitet nicht, sondern sammelt Schmutz. Der Standard in der Werkstatt ist: auftragen, einwirken lassen, abwischen.
Wie oft ist nötig?
Feste Kilometerangaben helfen im Stadtalltag wenig, weil Regen und Streusalz mehr ausmachen als die Strecke. Als Anhalt aus unserer Werkstatt:
- Kette: etwa einmal im Monat bei einem Rad, das täglich draußen fährt, und zusätzlich nach jeder längeren Regenfahrt. Ein guter Anhaltspunkt ohne Kalender: Wenn die Kette beim Treten hörbar wird oder trocken glänzt, ist sie fällig.
- Züge: einmal im Jahr, sinnvollerweise bei der Inspektion. Wenn ein Zug hakt, ist meistens die Hülle innen korrodiert und ein Tausch ehrlicher als Öl; Ersatz findest du unter Züge und Hüllen.
- Lager: nur beim Zerlegen, also im Rahmen einer Reparatur oder einer großen Inspektion.
Regelmäßiges Schmieren ersetzt keine verschlissene Kette. Sie längt sich mit den Kilometern, und ab einem bestimmten Maß frisst sie die Ritzel mit. Wie du das misst und wann der Tausch fällig ist, steht in der Kaufberatung Fahrradkette. Das Messwerkzeug dafür findest du unter Werkzeuge.
Häufige Fragen
Kann ich Motoröl oder Nähmaschinenöl nehmen?
Es schmiert, ja. Motoröl ist für die Kette allerdings recht zäh und bindet entsprechend viel Staub, Nähmaschinenöl ist sehr dünn und hält dem Druck im Kettengelenk nur kurz stand. Ein Kettenöl ist genau auf diesen Belastungsfall abgestimmt, und bei den üblichen Verbrauchsmengen fällt der Unterschied im Geldbeutel kaum auf.
Muss ich die Kette zum Reinigen abnehmen?
Nein. Am Alltagsrad reicht die Reinigung im eingebauten Zustand, mit Tuch oder Reinigungsgerät. Eine Kette abzunehmen und im Bad zu reinigen lohnt sich nur, wenn sie stark verharzt ist, und setzt bei Nietketten ein Kettenschloss oder einen Kettennieter voraus.
Was mache ich, wenn die Kette schon rostet?
Oberflächlicher Flugrost auf den Laschen ist harmlos und verschwindet nach dem Reinigen und Schmieren. Sitzt der Rost dagegen in den Gelenken, so dass einzelne Glieder steif bleiben und die Kette beim Umlauf springt, ist sie hinüber. Dann hilft nur ein Tausch.
Brauche ich verschiedene Mittel für Sommer und Winter?
Am Alltagsrad nicht. Beide Kettenmittel in unserem Sortiment sind als Allwettermittel ausgewiesen. Im Winter lohnt sich stattdessen ein kürzeres Intervall, weil Salzwasser den Schmierfilm schneller abträgt.
Das komplette Sortiment findest du unter Pflegemittel, Fette und Öle. Wenn du unsicher bist, welches Mittel dein Rad braucht, komm mit dem Rad vorbei; das lässt sich in einer Minute am Objekt klären.