Eine Luftpumpe ist das Teil, das im Laden am häufigsten falsch gekauft wird. Nicht weil sie schlecht wäre, sondern weil sie nicht auf das Ventil passt oder den Druck nicht schafft, den der Reifen braucht. Beides lässt sich vorher klären, und genau das machen wir hier.
Zuerst das Ventil, alles andere kommt danach
Am Fahrrad gibt es drei Ventilarten. Welche du hast, siehst du in dreißig Sekunden, wenn du die Ventilkappe abschraubst.
- Autoventil (AV), auch Schrader. Dick, kurz, sieht aus wie am Auto. Innen sitzt ein federbelasteter Stift. Typisch an Mountainbikes, Kinderrädern und vielen E-Bikes. Praktisch, weil jede Tankstelle es befüllen kann.
- Dunlopventil (DV), auch Blitzventil. Der deutsche Klassiker am Hollandrad und am älteren Trekkingrad. Erkennbar an der Überwurfmutter, unter der ein auswechselbarer Gummi-Einsatz sitzt. Wenn ein Reifen über Nacht Luft verliert und der Schlauch dicht ist, ist fast immer dieser Einsatz hin, und der kostet fast nichts.
- Sclaverandventil (SV), auch Presta oder Französisch. Dünn, lang, mit einer kleinen Rändelmutter an der Spitze. An Rennrädern und sportlichen Rädern. Die Rändelmutter muss vor dem Aufpumpen aufgedreht werden, sonst geht keine Luft hinein. Vorher einmal kurz antippen löst das Ventil, wenn es klebt.
Fast alle heutigen Pumpenköpfe passen auf alle drei Ventile, entweder über einen umkehrbaren Einsatz oder über einen Universalkopf. Prüfen lohnt sich trotzdem, denn ältere Pumpen und viele Kompressoraufsätze können nur AV. Für diesen Fall gibt es Ventiladapter, die zwischen Pumpe und Ventil geschraubt werden.
Die vier Bauarten und wofür sie gebaut sind
Es gibt keine Pumpe, die zuhause und unterwegs gleich gut ist. Die Physik steht dagegen: Wer viel Luft pro Hub bewegen will, braucht ein großes Volumen, und wer hohen Druck will, braucht einen kleinen Kolben und viel Kraft. Deshalb haben die meisten Räder zwei Pumpen.
Standpumpe
Steht auf dem Boden, du pumpst mit dem Körpergewicht statt mit dem Arm. Damit erreicht sie hohe Drücke ohne Anstrengung und füllt einen platten Reifen in wenigen Hüben. Ein Manometer gehört dazu, denn nur damit triffst du den Druck, der auf der Reifenflanke steht. Sitzt das Manometer oben am Griff, liest du es im Stehen ab, ohne dich zu bücken. Eine Standpumpe ist die Pumpe für zuhause und die einzige, mit der du den Reifendruck wirklich einstellst statt schätzt.
Rahmenpumpe
Die lange Handpumpe, die zwischen zwei Rahmenrohre geklemmt wird und ohne Halterung auskommt. Sie hat mehr Volumen als eine Minipumpe, ist also unterwegs deutlich schneller. Wichtig ist die Einbaulänge: Die Pumpe wird auf Spannung zwischen die Rohre geklemmt, sie muss also zum Rahmen passen. Miss dazu den Abstand, an dem sie sitzen soll, meistens am Sitzrohr, am Oberrohr oder an der Sitzstrebe.
Minipumpe
Passt in die Satteltasche oder an den Flaschenhalter. Kleines Volumen, also viele Hübe, dafür immer dabei. Modelle mit ausziehbarem Schlauch schonen das Ventil: Beim direkten Aufstecken hebelt jeder Hub am Ventilschaft, und genau daran reißen Sclaverandventile ab. Wer ein Rennrad fährt, sollte auf den Maximaldruck achten, denn 6 bar reichen für einen Rennradreifen nicht.
CO2-Kartuschenpumpe
Kein Pumpen, sondern eine Gaskartusche, die den Reifen in Sekunden füllt. Klein, leicht und im Rennen unschlagbar schnell. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Eine Kartusche reicht für eine Füllung, danach brauchst du Ersatz. Und CO2 diffundiert schneller durch den Schlauch als Luft, der Reifen ist nach ein bis zwei Tagen wieder weich. Es ist eine Notlösung für die Heimfahrt, kein Ersatz für eine Pumpe.
Der richtige Druck steht auf dem Reifen
Auf jeder Reifenflanke ist ein Druckbereich aufgedruckt, meistens in bar und in psi. Innerhalb dieses Bereichs entscheidest du selbst: Mehr Druck rollt leichter und schützt besser vor Durchschlägen, weniger Druck federt und greift besser. Unterhalb des angegebenen Minimums wird es gefährlich, weil der Reifen von der Felge springen kann; oberhalb des Maximums ebenfalls.
| Reifentyp | Typischer Bereich | Was die Pumpe können muss |
|---|---|---|
| Ballonreifen, Hollandrad | 2 bis 4 bar | jede Pumpe |
| Trekking, City, E-Bike | 3,5 bis 5 bar | jede Pumpe |
| Mountainbike | 1,8 bis 3 bar | viel Volumen ist wichtiger als Druck |
| Rennrad | 6 bis 8 bar | mindestens 8 bar, besser mehr |
Die Zahl auf der Pumpe ist der Maximaldruck, nicht der Arbeitsdruck. Eine Pumpe, die mit 8 bar angegeben ist, erreicht diese 8 bar nur mit spürbarem Kraftaufwand in den letzten Hüben. Wer regelmäßig 7 bar fährt, ist mit einer Standpumpe mit Reserve besser bedient.
Vier Fehler aus dem Werkstattalltag
- Am Sclaverandventil die Rändelmutter vergessen. Der häufigste Anruf überhaupt. Ohne aufgedrehte Mutter geht keine Luft hinein, und es sieht aus, als sei die Pumpe kaputt.
- Den Reifen nach Gefühl aufpumpen. Ein Daumendruck unterscheidet 2 bar nicht von 3,5 bar. Zu weiche Reifen sind die häufigste Pannenursache, weil sie beim Überfahren einer Kante bis auf die Felge durchschlagen. Das gibt den typischen Schnakenbiss, zwei Löcher nebeneinander.
- Die Pumpe beim Aufstecken verkanten. Der Pumpenkopf gehört gerade aufs Ventil, dann der Hebel. Wer schräg drückt, biegt den Ventilschaft, und der reißt beim nächsten Mal ab.
- Nach dem Schlauchwechsel gleich voll aufpumpen. Erst auf etwa ein Drittel füllen, den Reifensitz rundum prüfen, dann fertig aufpumpen. Sonst klemmt der Schlauch unter der Reifenwulst und platzt später.
Häufige Fragen
Kann ich mit einer Autopumpe an der Tankstelle aufpumpen? Bei einem Autoventil ja, aber vorsichtig. Der Kompressor liefert viel Luft auf einmal, und ein Fahrradreifen ist schneller voll, als das Gerät anzeigt. In kleinen Stößen füllen und nachmessen.
Warum verliert mein Reifen ständig langsam Luft? Ein völlig dichter Fahrradschlauch verliert trotzdem Luft, das ist normal. Ein bis zwei Wochen Abstand zwischen zwei Füllungen sind unauffällig, alle zwei Tage nicht. Bei Dunlopventilen ist meistens der Ventileinsatz fällig, sonst hilft der Blick auf Schlauch und Felgenband.
Brauche ich wirklich zwei Pumpen? Wenn du dein Rad zuhause stehen hast: ja. Die Standpumpe stellt den Druck ein, die kleine Pumpe rettet dich unterwegs. Wer nur eine will, nimmt eine Standpumpe und akzeptiert, dass eine Panne unterwegs bedeutet, das Rad zu schieben.
Was ist mit Tubeless? Tubeless-Reifen brauchen zum Erstmontieren einen kräftigen Luftstoß, damit die Reifenwulst in die Felge springt. Dafür gibt es Standpumpen mit Druckkammer oder einen Kompressor. Zum Nachfüllen im Alltag reicht danach jede Pumpe.
Unser Sortiment findest du in der Collection Luftpumpen. Passende Schläuche und Flickzeug liegen gleich daneben; welcher Schlauch zu deinem Reifen passt, klärt die Kaufberatung Fahrradschlauch.