Kaufberatung Fahrradpedale: Bauart, Gewinde und Lager richtig wählen

Fahrradschmiede Berlin
Pedal eines Alltagsrads mit orangefarbenem Reflektor im Abendlicht, dahinter Kettenstrebe und Hinterrad

Pedale sind das Bauteil, an dem die gesamte Tretkraft ins Rad geht. Die Wahl entscheidet darüber, ob der Fuß bei Nässe hält, ob das Lager nach zwei Wintern noch läuft und ob man mit Straßenschuhen aufsteigen kann.

Die drei Bauarten

Plattformpedale (auch Blockpedale oder Flatpedals) sind die Standardlösung. Der Fuß steht frei auf einer Trittfläche, man steigt mit jedem Schuh auf und im Stadtverkehr sofort wieder ab. Für Alltag, Stadt und Tour ist das die richtige Wahl, und im Sortiment stellen sie auch die größte Gruppe.

Klickpedale (Systempedale) verbinden Schuh und Pedal über eine Platte, die unter die Sohle geschraubt wird. Der Vorteil ist die feste Verbindung: Der Fuß rutscht nicht ab und kann auch ziehend arbeiten. Der Preis dafür sind spezielle Schuhe und die Gewöhnung ans Ausklicken. Wer nicht sicher ist, ob er das will, sollte nicht damit anfangen. Unser einziges Modell mit SPD-Bindung ist der CONTEC SPADE. Die Bindung sitzt einseitig, die Gegenseite ist ein offener Aluminiumkäfig, und die Auslösehärte lässt sich einstellen.

Kombipedale tragen auf einer Seite die Klickbindung und auf der anderen eine vollwertige Trittfläche, auf der sich mit Alltagsschuhen fahren lässt. Das ist der Kompromiss für alle, die dasselbe Rad mit und ohne Radschuhe bewegen. Ein solches Modell führen wir derzeit nicht im Sortiment.

Das Gewinde: fast immer 9/16 Zoll

Pedale werden in die Kurbel geschraubt, und dafür gibt es drei gängige Maße. Bei allen Rädern mit einer dreiteiligen Kurbel, also praktisch jedem heutigen Fahrrad, ist es 9/16 Zoll. Sämtliche Pedale in unserem Sortiment tragen dieses Gewinde. Die kleineren Maße 1/2 Zoll und M14 sitzen nur an sehr alten Rädern mit einteiliger Stahlkurbel und an manchen Kinderrädern. Wer unsicher ist, bringt die alte Kurbel oder das alte Pedal mit.

Wichtiger als das Maß ist eine Eigenheit, die jedes Jahr Kurbeln zerstört: Das linke Pedal hat ein Linksgewinde. Es wird gegen den Uhrzeigersinn festgezogen. Das ist Absicht, denn sonst würde es sich beim Treten von selbst herausdrehen. Pedale sind deshalb mit L und R gekennzeichnet, meist auf der Achse eingeprägt. Wer das linke Pedal mit Gewalt im Uhrzeigersinn hineindreht, reißt das Gewinde in der Kurbel aus, und dann ist die Kurbel fällig, nicht das Pedal.

Das Lager entscheidet über die Lebensdauer

Vier Bauarten kommen vor, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wie gut sie Wasser draußen halten:

  • Konuslager: die einfachste Bauart, einstellbar und nachzufetten, aber am wenigsten gegen Schmutz geschützt. Günstige Alltagspedale wie der CONTEC Sheep haben sie.
  • Kugellager: leichtgängig, verbreitet in der Mittelklasse, etwa beim CONTEC Boot.
  • Gedichtete Industrielager: gekapselte Patronen, die Wasser und Streusalz zuverlässig fernhalten. Das ist die Wahl für Räder, die draußen stehen und im Winter gefahren werden, zum Beispiel der CONTEC 1Boot.
  • Gleitlager: kommt ohne Kugeln aus und läuft praktisch wartungsfrei. Der CONTEC Quick Stay XXL nutzt ein solches Polymer-Gleitlager.

So prüft man ein Lager: Rad anheben, Pedal mit zwei Fingern anstoßen. Es soll mehrere Umdrehungen frei auslaufen. Dann das Pedal seitlich fassen und wackeln. Ist Spiel spürbar oder knirscht es beim Drehen, ist das Lager hinüber. Bei den meisten Pedalen lohnt eine Reparatur nicht.

Körper und Achse

Der Pedalkörper besteht aus Kunststoff (oft Nylon) oder Aluminium. Kunststoff ist leicht, günstig und korrodiert nicht, gibt unter hoher Last aber eher nach. Aluminium ist steifer und hält Pins, es ist die Wahl für sportliche Räder und schwere Fahrer. Beides hält im Alltag jahrelang.

Die Achse ist wichtiger als der Körper, denn sie bricht, wenn sie zu schwach ist. Gängig sind Boron-Stahl und CrMo-Stahl (Chrom-Molybdän). CrMo ist zäher und bruchsicherer und sitzt deshalb in den höherwertigen Modellen.

Grip: worauf der Fuß wirklich steht

Für die Rutschfestigkeit gibt es drei Lösungen. Gummi ist angenehm für Straßenschuhe und im Alltag völlig ausreichend, so beim CONTEC Cruiser 2.0. Sandpapier oder Griptape greift auch bei Nässe kräftig, der CONTEC Quick Deluxe + setzt darauf. Austauschbare Pins sind kleine Metallstifte, die sich in die Sohle krallen; sie geben den festesten Halt, hinterlassen aber Spuren an weichen Schuhen und schmerzhafte Schienbeine, wenn der Fuß abrutscht. Pins sind Sache von MTB und Downhill, etwa beim CONTEC Black22, nicht von Sandalen im Sommer.

Reflektoren sind Pflicht

Nach der deutschen Straßenverkehrs-Zulassungsordnung müssen an jedem Pedal nach vorn und nach hinten wirkende gelbe Rückstrahler sitzen. Das gilt für jedes Rad im öffentlichen Verkehr. Fast alle unsere Pedale bringen die Reflektoren fest integriert mit. Bei sportlichen Plattformpedalen sind sie oft abnehmbar, und bei Klickpedalen fehlen sie bauartbedingt ganz. Für Shimano-SPD-Pedale gibt es dafür nachrüstbare Pedalreflektoren SM-PD22.

Größe und Systemgewicht

Eine große Trittfläche verteilt den Druck besser und wird auf längeren Strecken spürbar angenehmer, gerade bei weichen Schuhsohlen. Wer schwer ist oder viel Gepäck fährt, sollte zusätzlich auf das zulässige Systemgewicht achten. Es steht nur selten in den Herstellerdaten; beim Quick Stay XXL sind es nachweislich 180 kg.

Montage: was in der Werkstatt zählt

  • Immer Fett aufs Gewinde, sonst frisst sich die Stahlachse in der Alukurbel fest und geht beim nächsten Wechsel nicht mehr heraus.
  • Erst von Hand einschrauben, bis mehrere Umdrehungen leicht laufen. Hakt es sofort, sitzt es schief. Nicht mit dem Schlüssel nachhelfen.
  • Fest anziehen, aber nicht mit Verlängerung. Die Tretbewegung zieht das Pedal ohnehin nach.
  • Der passende Schlüssel ist schmal und meist gekröpft, ein normaler Maulschlüssel passt oft nicht zwischen Kurbel und Pedal. Wir führen dafür einen Pedalschlüssel. Manche Pedale lassen sich alternativ mit einem Innensechskant von der Rückseite der Kurbel montieren.

Wer das lieber machen lässt: Wir de- und montieren Pedale in der Werkstatt, und ein ausgerissenes Kurbelgewinde lässt sich häufig nachschneiden oder ausbuchsen, statt die Kurbel zu ersetzen. Einfach damit vorbeikommen.

Typische Fehler

  • Das linke Pedal falsch herum einschrauben. L ist links, und links wird gegen den Uhrzeigersinn fest. Der Schaden trifft die Kurbel, nicht das Pedal.
  • Ohne Fett montieren. Fällt erst Jahre später auf, wenn das Pedal nicht mehr herausgeht.
  • Klickpedale ohne passende Schuhe kaufen. Die Bindung ist wertlos, wenn keine Platten drunterpassen, und die kleine Auflagefläche ist mit Turnschuhen unangenehm.
  • Pins am Alltagsrad. Sie ruinieren Lederschuhe und verzeihen kein Abrutschen.
  • Nachziehen statt tauschen. Ein Pedal mit Lagerspiel wird durch Festziehen des Konus manchmal kurz besser und dann schnell schlechter.

Häufige Fragen

Passen Pedale an jedes Fahrrad? An praktisch jedes moderne Rad ja, weil 9/16 Zoll der Standard ist. Ausnahmen sind alte Räder mit einteiliger Kurbel und manche Kinderräder, etwa beim CONTEC Happy Kid ist deshalb ein Blick aufs Gewinde nötig.

Wie lange halten Pedale? Das hängt am Lager und daran, ob das Rad draußen steht. Gedichtete Industrielager halten in der Stadt viele Jahre, offene Konuslager an einem Rad ohne Unterstand oft nur zwei bis drei Winter.

Muss man beide Pedale tauschen? Ja. Pedale werden im Paar verkauft und laufen sich gemeinsam ein.

Was ist mit E-Bikes? Der Motor erhöht die Dauerbelastung deutlich. An einem E-Bike lohnt eine stabile Achse aus CrMo-Stahl und ein gedichtetes Lager mehr als an einem unmotorisierten Rad.

Das ganze Sortiment steht unter Pedale. Passend dazu: Kaufberatung Innenlager und Kurbel, denn das Pedalgewinde sitzt in der Kurbel, sowie Kaufberatung Fahrradwerkzeug für den passenden Schlüssel.

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