Fast jede Woche steht jemand mit einer Tasche bei uns, die nicht an sein Rad passt. Meistens liegt das nicht an der Tasche, sondern daran, dass beim Kauf niemand nach dem Gepäckträger gefragt hat. Diese Beratung geht die Fragen in der Reihenfolge durch, in der sie sich beim Kauf tatsächlich stellen: Wohin soll das Gepäck, wie kommt es dorthin, wie trocken bleibt es und wie viel passt hinein.
Die Bauarten im Überblick
Fahrradtasche ist ein Sammelbegriff für sehr verschiedene Dinge. Diese Übersicht sortiert sie nach dem Ort am Rad, denn der entscheidet über alles Weitere.
| Bauart | Sitzt | Übliches Volumen | Gedacht für |
|---|---|---|---|
| Packtasche, einzeln | seitlich am Gepäckträger | 15 bis 25 l | Pendeln, Einkauf, Tagestour |
| Doppeltasche | über dem Träger, beide Seiten | 30 bis 50 l | längere Touren, großer Einkauf |
| Gepäckträgertasche | oben auf dem Träger | 8 bis 15 l | kleines Tagesgepäck |
| Lenkertasche | am Lenker | 4 bis 10 l | Wertsachen, Kamera, Karte |
| Rahmentasche | im Rahmendreieck | 1 bis 6 l | Werkzeug, Verpflegung |
| Satteltasche | unter dem Sattel | 0,5 bis 2 l | Schlauch, Reifenheber, Multitool |
| Fahrradrucksack | am Rücken | 15 bis 30 l | wenn kein Gepäckträger da ist |
| Korb | vorn oder hinten | 15 bis 25 l | offen einladen, kurze Wege |
Für den Berliner Alltag ist die einzelne Packtasche der Klassiker. Sie fasst genug für Wechselkleidung, Laptop und Einkauf, sie lässt sich in Sekunden abnehmen und mit in die Wohnung nehmen, und sie belastet den Rücken nicht. Wer offen einladen will, statt einen Verschluss zu bedienen, findet die Alternativen bei den Fahrradkörben. Welcher Korb an welches Rad passt, steht in unserer Kaufberatung Fahrradkorb.
Befestigung: hier scheitern die meisten Käufe
Erst messen, dann bestellen
Nimm einen Messschieber oder notfalls einen Zollstock und miss den Durchmesser der oberen Strebe deines Gepäckträgers, also genau des Rohrs, über das die Haken greifen. Übliche Träger liegen zwischen 8 und 16 mm. Die Hakenleisten der meisten Packtaschen decken einen Bereich davon ab, nicht alles. Passt der Durchmesser nicht, hilft kein Nachdrücken; die Tasche sitzt entweder klapprig oder gar nicht.
Miss außerdem die Länge des Trägers ab der Sattelstütze und den Abstand zwischen den beiden waagerechten Rohren. Bei kurzen Trägern rutscht die Tasche so weit nach vorn, dass die Ferse beim Treten dagegen stößt.
Die Systeme, die dir begegnen
- Hakenleiste: Zwei Haken greifen über das Trägerrohr, unten hält ein Stopper oder eine Feder die Tasche gegen die Strebe. Verbreitet ist das System von Rixen & Kaul. Gute Ausführungen haben eine Verriegelung, damit die Tasche im Schlagloch nicht abspringt, und eine verschiebbare Einhängeposition für die Fersenfreiheit.
- KLICKfix: Ein Adapter kommt an den Lenker oder auf den Träger, die Tasche oder der Korb rastet darauf ein. Praktisch, wenn du dasselbe Gepäckstück an mehreren Rädern nutzen willst; du brauchst dann nur weitere Adapter.
- MIK und MIK HD: Eine Lochplatte liegt auf dem Gepäckträger, Taschen und Körbe mit MIK-Fuß werden aufgesetzt und verriegelt. Häufig ab Werk an Hollandrädern und E-Bikes. MIK HD ist die stärker belastbare Variante.
- Racktime Snapit und AVS: Weitere Systemträger mit eigener Aufnahme. Ein Snapit-Korb passt nicht auf einen MIK-Träger und umgekehrt.
- Klettbänder und Spanngurte: Günstig und universell, aber wackliger und langsamer im Handling. Für selten genutztes Zusatzgepäck in Ordnung.
Merksatz aus der Werkstatt: Das System sitzt am Rad, nicht an der Tasche. Prüfe zuerst, was dein Träger anbietet, und suche die Tasche danach aus. Wer neu anfängt, ist mit einem schlichten Träger mit runden Standardstreben am flexibelsten, zum Beispiel dem Standwell CA-339 aus unserem Gepäckträger-Sortiment.
Wasserfest ist nicht wasserdicht
Das ist der Punkt, an dem Produktbeschreibungen am unehrlichsten sind. Drei Begriffe werden durcheinandergeworfen:
- Wasserabweisend heißt: Das Gewebe ist beschichtet, ein Schauer perlt ab. Bei längerem Regen zieht Wasser durch Nähte und Reißverschlüsse.
- Wasserfest ist meist mit einer IPX-Zahl belegt. Die Skala stammt eigentlich aus der Elektrotechnik, Taschenhersteller borgen sie sich. IPX4 steht für Spritzwasser aus allen Richtungen, IPX5 für Strahlwasser, IPX6 für starkes Strahlwasser. Das reicht für Regenfahrten im Alltag.
- Wasserdicht bedeutet bei Taschen: wasserdichtes Trägermaterial, verschweißte statt genähte Nähte und ein Rollverschluss, der mindestens drei Mal umgeschlagen wird. Erst diese Kombination hält stundenlangen Dauerregen ab.
Ein Beispiel aus unserem eigenen Regal: Die CONTEC Travel Waterproof ist aus einem Tarpaulin-Polyester-Mix gefertigt und wasserdicht. Die CONTEC Transit Waterproof trägt dasselbe Wort im Namen, ist aber aus Polyester-Nylon-Mix und nach IPX 5 wasserfest. Beide sind gute Taschen, aber für unterschiedliche Ansprüche. Wer den Laptop bei jedem Wetter dabei hat, nimmt die wasserdichte.
Reißverschlüsse sind selten wirklich dicht, auch wenn sie beschichtet aussehen. Wo es wirklich trocken bleiben muss, führt der Weg über den Rollverschluss.
Wie viel Volumen brauchst du?
Liter sind eine abstrakte Größe. Diese Faustwerte helfen beim Übersetzen:
- 10 l: Regenjacke, Schloss, Brotdose, Kleinkram.
- 20 l: Laptop mit Hülle, Wechselkleidung, Mittagessen. Das ist die übliche Pendlergröße und der Grund, warum die meisten Einzelpacktaschen in diesem Bereich liegen.
- 25 l: Wocheneinkauf für eine Person oder Sportsachen samt Schuhen.
- 2 x 20 l: Gepäck für ein verlängertes Wochenende, wenn du beide Seiten belädst.
Kaufe eher etwas zu groß als zu klein. Eine Tasche mit Rollverschluss lässt sich weiter einrollen und wird dadurch kleiner; eine zu kleine Tasche lässt sich nicht vergrößern.
Materialien
- Tarpaulin, auch LKW-Plane genannt: Trägergewebe mit dichter Kunststoffbeschichtung. Wasserdicht, abwischbar, unempfindlich gegen Streusalz. Etwas schwerer und im Winter steifer.
- Polyester: Leicht, formstabil, UV-beständig. Je nach Beschichtung wasserabweisend bis wasserfest.
- Nylon und Cordura: Sehr abriebfest, deshalb oft an Ecken und Boden eingesetzt.
- Leder und Wachscanvas: Schön anzusehen, brauchen aber Pflege und sind bei Dauerregen nur mit Überzug trocken.
Fersenfreiheit, Zuladung und Rücklicht
Drei Dinge, die im Laden gern vergessen werden und danach ärgern:
- Fersenfreiheit: Setz dich aufs Rad und tritt rückwärts, bevor du losfährst. Stößt die Ferse an die Tasche, schiebe die Einhängeposition nach hinten. Geht das nicht, ist die Tasche für deinen Rahmen zu weit vorn.
- Zuladung: Auf jedem Gepäckträger steht seine zulässige Zuladung, meist zwischen 18 und 27 kg. Das ist die Summe aus Tasche und Inhalt, und sie gilt fürs Fahren, nicht fürs Abstellen. Träger für E-Bikes und Lastenräder liegen höher.
- Rücklicht: Eine hoch gepackte Doppeltasche verdeckt schnell das Rücklicht. Es muss nach hinten sichtbar bleiben. Wenn es sich nicht anders lösen lässt, hilft ein zusätzliches Rücklicht an der Tasche; wie du die Lichtanlage sinnvoll aufbaust, steht in unserer Kaufberatung Fahrradbeleuchtung.
Fünf Fehler aus dem Werkstattalltag
- Tasche vor dem Gepäckträger gekauft. Die Reihenfolge ist umgekehrt: erst Träger, dann System, dann Tasche.
- Nur eine Seite beladen und dann schwer. Ab etwa 8 kg auf einer Seite kippelt das Rad im Stand und zieht beim Anfahren. Dann lieber auf zwei Taschen verteilen.
- Tasche am Rad gelassen. Eine abnehmbare Tasche ist in Berlin in zehn Sekunden weg. Was drin bleibt, ist verloren. Zum Anschließen des Rades selbst haben wir eine eigene Kaufberatung Fahrradschloss.
- Verriegelung nie benutzt. Viele Hakensysteme haben einen kleinen Hebel, der die Haken sperrt. Wer ihn ignoriert, findet die Tasche irgendwann auf der Straße.
- Rollverschluss zu locker. Weniger als drei Umschläge, und die Tasche ist auch mit dichtem Material nicht mehr dicht.
Häufige Fragen
Kann ich eine Packtasche auch vorn fahren? Meist ja, wenn der Frontträger runde Streben im passenden Durchmesser hat. Beachte, dass Gewicht am Vorderrad die Lenkung träger macht. Fahr die ersten Meter langsam.
Brauche ich gleich zwei Taschen? Für den Weg zur Arbeit reicht eine. Zwei lohnen sich, sobald du regelmäßig mehr als etwa 8 kg transportierst oder auf Tour gehst.
Was ist der Unterschied zwischen Packtasche und Gepäckträgertasche? Die Packtasche hängt seitlich neben dem Rad und nutzt den Platz unter dem Träger. Die Gepäckträgertasche liegt oben auf dem Träger, ist kleiner und lässt Platz für zusätzliches Gepäck darunter.
Wie reinige ich eine Tasche? Tarpaulin und beschichtetes Polyester mit lauwarmem Wasser und einem Lappen abwischen. Keine Waschmaschine, das löst Beschichtung und Verklebungen. Reißverschlüsse ab und zu mit einem trockenen Tuch von Streusalz befreien.
Meine Tasche ist undicht geworden. Kaputt? Nicht unbedingt. Prüfe zuerst den Rollverschluss und die Nahtstellen an den Ecken. Kleine Löcher in Tarpaulin lassen sich mit einem Reparaturflicken aus dem Zeltbedarf dauerhaft schließen.
Unser Sortiment
Wir führen bewusst wenige Taschen, hinter denen wir stehen. In der Collection Fahrradtaschen findest du die wasserdichte CONTEC Travel Waterproof mit 20 l als Allrounder für den Alltag, die größer geschnittene CONTEC Transit Waterproof mit Außenfach und den CONTEC Rucksack Waterproof 24 für alle ohne Gepäckträger.
Wenn du unsicher bist, ob eine Tasche an deinen Träger passt: Bring das Rad vorbei, das ist in zwei Minuten geklärt.