Platter Reifen am Vorderrad eines Mountainbikes, der Mantel liegt flach auf dem Asphalt auf

Kaufberatung Fahrradschlauch: Größe, Ventil und Ventillänge richtig wählen

Fahrradschmiede Berlin

Ein Schlauch ist schnell gekauft, es muss nur der richtige sein. In unserer Berliner Werkstatt wechseln wir jede Woche etliche davon. Drei Angaben entscheiden über passt oder passt nicht: die Größe, die Ventilart und die Ventillänge. Hier erklären wir alle drei im Detail.

Die Größe: Die ETRTO-Zahl ist die Wahrheit

Auf jeder Reifenflanke steht eine ETRTO-Bezeichnung, zwei Zahlen mit Bindestrich, zum Beispiel 40-622. Die erste Zahl ist die Reifenbreite in Millimetern, die zweite der Felgendurchmesser. Diese Zahl ist verlässlicher als jede Zollangabe, denn hinter derselben Zollgröße stecken teils verschiedene Felgendurchmesser. 26 Zoll kann 559 mm bedeuten, bei alten Hollandrädern aber auch 590 mm.

Ein Schlauch deckt immer einen Bereich ab, weil er sich dehnt. Der Schwalbe Nr. 17 passt zum Beispiel auf gängige 28-Zoll-Reifen an Trekking- und Stadträdern, der Nr. 13 auf die typischen 26-Zoll-Größen. Für Kinderräder gibt es die kleinen Nummern, etwa den Nr. 2 für 14 und 16 Zoll oder den Nr. 5 für 18 Zoll. Die ETRTO-Zahl eures Reifens muss im angegebenen Bereich liegen, dann stimmt die Größe. Bei jedem Schlauch in unserem Schläuche-Sortiment sind die abgedeckten Größen hinterlegt und filterbar.

Die Ventilart: drei Systeme, eine Felgenbohrung

Autoventil (AV, auch Schraderventil): dasselbe Ventil wie am Auto. Der große Vorteil: Es lässt sich an jeder Tankstelle aufpumpen. An Kinderrädern, Mountainbikes und vielen Alltagsrädern der Standard. Es braucht die große Felgenbohrung mit 8,5 mm.

Dunlopventil (DV, auch Blitzventil): der Klassiker am Stadt- und Hollandrad. Der Ventileinsatz lässt sich ohne Werkzeug herausschrauben, die Luft entweicht dann schlagartig, das erleichtert die Montage. Zum Aufpumpen passt jede klassische Fahrradpumpe. Es sitzt in derselben 8,5-mm-Bohrung wie das Autoventil, die beiden sind an der Felge austauschbar.

Sclaverandventil (SV, auch Presta oder französisches Ventil): dünn und leicht, an Rennrädern, Gravelbikes und sportlichen Rädern der Standard. Vor dem Pumpen die kleine Rändelmutter aufdrehen, nach dem Pumpen wieder zu. Es braucht die kleine Felgenbohrung mit 6,5 mm. In einer großen Bohrung arbeitet es hin und her und kann abreißen, deshalb dort nur mit Reduzierhülse fahren.

Bei jedem Schlauch im Shop findet ihr als zweites Bild eine Infografik mit den drei Ventilarten im Vergleich. Die Ventilart muss zur Bohrung eurer Felge passen, alles andere ist Geschmackssache und Pumpenfrage.

Die Ventillänge: entscheidend bei hohen Felgen

Standard sind 40 mm, das reicht für die meisten Felgen. Aeroprofile und hohe Felgen brauchen 50, 60 oder 80 mm, sonst schaut das Ventil nicht weit genug heraus und die Pumpe findet keinen Halt. Faustregel: Felgenhöhe messen und mindestens 15 mm dazurechnen. Zu lang ist unkritisch, zu kurz macht den Schlauch unbrauchbar.

Butyl oder Extralight?

Standardschläuche aus Butyl halten die Luft lange und sind robust, damit fahren die meisten unserer Kunden. Extralight-Versionen wie der Nr. 18 Extralight sparen rund ein Drittel Gewicht an der rotierenden Masse, verlieren aber etwas schneller Luft. Für sportliche Fahrer eine sinnvolle Aufwertung, am Alltagsrad kein Muss.

Aus der Werkstatt: die häufigsten Schlauch-Fehler

  • Beim Wechsel die Reifeninnenseite nicht nach dem Fremdkörper abgesucht, der neue Schlauch ist nach hundert Metern wieder platt.
  • Schlauch beim Montieren unter der Wulst eingeklemmt, er platzt beim Aufpumpen mit lautem Knall.
  • Monatelang nicht nachgepumpt: Schläuche verlieren auch ohne Defekt kontinuierlich Luft. Einmal im Monat prüfen spart Pannen und Reifenverschleiß.

Wer unsicher ist, bringt Rad oder alten Schlauch einfach vorbei. Wir lesen die ETRTO-Zahl ab und geben den passenden Schlauch direkt mit, die gängigen Größen liegen im Laden auf Lager.

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