Fahrradwerkzeug kauft man selten auf einmal, sondern in Stufen. Fast jeder fängt mit dem Werkzeug an, das unterwegs einen abgebrochenen Ausflug verhindert, und ergänzt später das, was zu Hause die Werkstattrechnung spart. Diese Beratung folgt genau dieser Reihenfolge. Sie sagt auch, wo die Grenze verläuft: Manche Arbeiten lassen sich mit 20 Euro Werkzeug erledigen, andere brauchen einen Montageständer und Erfahrung, und dann ist der Weg in die Werkstatt der günstigere.
Die drei Ausbaustufen
Stufe 1, die Satteltasche. Ziel ist, nach einer Panne weiterfahren zu können. Das sind Reifenheber, ein Ersatzschlauch, ein Multitool mit Innensechskant und, je nach Rad, ein 15er Schlüssel. Zusammen unter 40 Euro und rund 300 g.
Stufe 2, der Hausschrauber. Ziel ist die Wartung, die regelmäßig anfällt: Bremsen einstellen, Schaltung justieren, Kette messen und wechseln, Griffe und Sattel tauschen. Dazu kommen ein Kettennieter in Werkstattqualität, eine Kettenverschleißlehre und ein Satz Y-Schlüssel.
Stufe 3, der Antrieb. Ziel ist, Kurbel, Innenlager und Zahnkranz selbst zerlegen zu können. Hier braucht es Abzieher, die genau zum verbauten Standard passen. Diese Werkzeuge kauft man einmal und benutzt sie alle paar Jahre, deshalb lohnt sich vorher der Blick, welcher Standard überhaupt am eigenen Rad sitzt.
Der 15er Schlüssel: die Größe, die unterwegs über den Reifenwechsel entscheidet
Der häufigste Grund, warum eine Panne unterwegs nicht behoben werden kann, ist nicht der fehlende Ersatzschlauch. Es ist das fehlende Werkzeug, um das Laufrad überhaupt auszubauen. Räder mit Schnellspanner oder Steckachse brauchen dafür nichts außer den Händen. Räder mit Achsmuttern brauchen einen 15er Schlüssel, und das sind die meisten Stadträder, Hollandräder, Singlespeeds und viele Räder mit Nabenschaltung.
Die üblichen Falt-Multitools decken diese Größe nicht ab. Sie bringen Innensechskant von 2 bis 8 mm und Torx mit, weil das die Schrauben moderner Sporträder sind. Eine 15er Sechskantmutter ist damit nicht zu greifen. Wer ein Rad mit Achsmuttern fährt, braucht also entweder ein Multitool, das ausdrücklich Schlüsselweiten mitbringt, oder einen separaten Schlüssel.
Zwei Werkzeuge in unserem Sortiment lösen das:
- Der Lochschlüssel KENGINE, im Werkstattjargon Knochen, deckt zehn Schlüsselweiten von 6 bis 15 mm ab und kostet unter sechs Euro. Er ist die häufigste Empfehlung für die Satteltasche eines Alltagsrads.
- Das Multifunktionswerkzeug BRAVE CLASSIC vereint acht Schlüsselweiten von 6 bis 15 mm mit Innensechskant von 3 bis 8 mm und zwei Schraubendrehern in einer Scheibe von 79 g.
Beide haben denselben Nachteil: einen kurzen Hebel. Zum Lösen einer festgerosteten Achsmutter oder zur Pedalmontage reicht das nicht. Dafür steht in der Werkstatt der Pedalschlüssel CONTEC TFM-140 mit 250 mm Griff und gekröpfter Aufnahme. Ein guter Ablauf ist deshalb: Achsmuttern zu Hause einmal lösen, mit etwas Fett wieder anziehen, und danach reicht unterwegs der kurze Hebel.
Schlüsselweiten am Fahrrad
| Bauteil | Schlüsselweite |
|---|---|
| Achsmutter Vorder- und Hinterrad | 15 mm |
| Pedalachse | 15 mm |
| Konus in der Nabe | 13, 14, 15 oder 16 mm |
| Gepäckträger und Schutzblech, M5 | 8 mm |
| Gepäckträger und Schutzblech, M6 | 10 mm |
| Bremszug-Klemmschraube | 8, 9 oder 10 mm |
Das Multitool: auf welche Funktionen es ankommt
Die Zahl auf der Verpackung sagt wenig. Ein Tool mit 22 Funktionen zählt jede Speichenschlüsselgröße einzeln mit. Entscheidend sind vier Dinge:
- Innensechskant 4, 5 und 6 mm. Damit sind Vorbau, Sattelklemmung, Sattelstütze, Flaschenhalter und die meisten Bremsen abgedeckt. Fehlt eine dieser drei Größen, taugt das Tool nicht.
- Torx T25. Bremsscheiben und viele Anbauteile an E-Bikes und modernen Rädern sitzen auf T25.
- Kettennieter. Nur damit lässt sich eine gerissene Kette unterwegs wieder schließen. Wer ihn braucht und nicht hat, schiebt.
- Speichenschlüssel. Eine gerissene Speiche wird ausgehängt und die Nachbarspeichen werden entlastet, damit das Laufrad noch durch die Bremse passt.
In unserem Sortiment deckt der CONTEC TFR-Fixer alle vier Punkte ab und ist mit 135 g und knapp 16 Euro der ausgewogenste Kompromiss. Das Pocket Gadget F22 Stealth ist das umfangreichste Tool mit vier Torx-Größen und einem Bremskolbendrücker für Scheibenbremsen. Das Pocket Gadget PG1 ist das flachste und passt in jede Trikottasche. Das Tool 9 beschränkt sich auf Innensechskant und Schraubendreher und ist der günstigste Einstieg.
Reifenheber
Reifenheber kommen als Satz zu dritt, weil zwei zum Aushängen der Wulst gebraucht werden und der dritte ihn hält. Kunststoff ist Pflicht, denn ein Metallheber beschädigt die Felgenflanke und schneidet leicht in den neuen Schlauch. Der Reifenheber-Satz von SCHWALBE lässt sich in die Felge einclipsen, sodass die Wulst nicht zurückrutscht, und trägt zusätzlich ein Werkzeug für Sclaverandventile. Der CONTEC TFM-Speed Shank ist die schlichtere und günstigere Variante. Welche Größe der Ersatzschlauch haben muss, steht in der Kaufberatung Fahrradschlauch.
Kettenwerkzeug
Eine Kette ist Verschleißteil und das Bauteil, das am meisten Folgekosten verursacht, wenn man den Wechselzeitpunkt verpasst. Eine gelängte Kette frisst sich in Kassette und Kettenblätter, und dann wird aus einem Kettenwechsel für wenige Euro ein Antriebswechsel.
Die Kettenverschleißlehre CONTEC TFM-Charlie Tango misst die beiden Punkte, auf die es ankommt: 0,75 Prozent Längung als Wechselpunkt bei Kettenschaltungen, 1,0 Prozent bei Nabenschaltungen und Singlespeed. Lässt sich der längliche Stift durch das Glied drücken, ist der Wert erreicht. Das Messen dauert zehn Sekunden und gehört bei jeder zweiten oder dritten Reinigung dazu.
Zum Trennen und Schließen der Kette gibt es drei Ausbaustufen. Der TFM Pin Pusher Pocket ist die Taschenausführung für unterwegs. Der TFM Pin Pusher Club hat den längeren Hebel für die Werkbank und liegt inklusive Ersatzstift bei. Der TFM-180 ist die einfache Standardausführung für alle gängigen Kettentypen. Welche Kette an das eigene Rad gehört, klärt die Kaufberatung Fahrradkette.
Den Antrieb zerlegen: Kurbel, Innenlager, Zahnkranz
Hier entscheidet der verbaute Standard über das Werkzeug, nicht der Geldbeutel. Das falsche Werkzeug passt schlicht nicht.
Kurbel abziehen
An Vierkantkurbeln wird zuerst die Kurbelschraube gelöst, dann zieht der Abzieher die Kurbel von der Achse. Drei Ausführungen unterscheiden sich im Zubehör: Der TFM-170 ist der reine Abzieher mit 14er Nuss. Der TFM-130 bringt zusätzlich eine 14/15er Nuss und einen 15er Maulschlüssel mit gummiertem Griff mit. Der TFM-120 ist der vollständigste mit 14er Nuss, 6 und 8 mm Innensechskant und 15er Ring- und Maulschlüssel. Der TFM-240 passt zusätzlich zu Octalink und ISIS-Drive.
Innenlager ausbauen
Für Patronenlager der Typen ISIS, Octalink und JIS greift der Innenlagerabzieher TFM-220 in das Zahnprofil der Lagerschale. Er ist baugleich mit den Shimano-Werkzeugen TL-UN 74-S und TL-UN 66 und läuft mit einem 24er Maulschlüssel oder einer 1/2-Zoll-Knarre. Welches Lager im eigenen Rahmen sitzt, steht in der Kaufberatung Innenlager.
Zahnkranz abziehen
Der häufigste Fehlkauf im ganzen Werkzeugsortiment. Kassette und Schraubkranz sehen von außen ähnlich aus und brauchen verschiedene Werkzeuge. Die einfache Probe: Dreht man die Ritzel rückwärts und der Ratschenmechanismus sitzt in der Nabe, ist es eine Kassette. Sitzt er im Ritzelpaket selbst, ist es ein Schraubkranz.
| Antrieb | Werkzeug | Gegenhalter nötig | Angetrieben mit |
|---|---|---|---|
| Shimano Kassette | TFM-190 | ja, Kettenpeitsche | 1/2-Zoll-Knarre oder 21 mm |
| Shimano Kassette, mit Führungsstift zentriert | TFM-290 | ja, Kettenpeitsche | 24 mm |
| Shimano Schraubkranz | TFM-200 | nein | 1/2-Zoll-Knarre oder 21 mm |
| Singlespeed- und BMX-Freilauf | TFM-210 | nein | 24 mm |
| BMX-Freilauf mit vier Zapfen | ICETOOLZ Abzieher | nein | Knarre oder Schraubstöcke |
Bei jeder Kassette wird ein Gegenhalter gebraucht, weil der Freilauf sich sonst mitdreht. Das übernimmt die Kettenpeitsche TFM-150, deren Kette um das größte Ritzel gelegt wird. Sie ist für Kassetten bis 9-fach ausgelegt. Beim Schraubkranz entfällt der Gegenhalter, weil die Drehrichtung ihn selbst festzieht.
Laufrad und Nabe
Konusschlüssel sind flach, weil der Konus zwischen Nabengehäuse und Kontermutter nur wenige Millimeter Platz lässt. Ein normaler Maulschlüssel passt dort nicht. Der Satz CONTEC TFM-280 deckt mit 13, 14, 15 und 16 mm die gängigen Nabengrößen ab. Zum Nachziehen einzelner Speichen dient der Nippelspanner TFM-230 in Tellerform mit acht Einschnitten. Wichtig dabei: Ein Laufrad zentriert man in Vierteldrehungen und im Wechsel links und rechts. Wer eine einzelne Speiche stark anzieht, verzieht die Felge in eine andere Richtung, als er will.
Fünf Fehler aus dem Werkstattalltag
- Multitool gekauft, 15er vergessen. Am Rad mit Achsmuttern nützt das beste Innensechskant-Set nichts, wenn das Laufrad drin bleibt.
- Kette zu spät gemessen. Wer erst wechselt, wenn die Schaltung springt, tauscht meistens auch die Kassette mit.
- Falschen Zahnkranzabzieher bestellt. Erst prüfen, ob Kassette oder Schraubkranz, dann bestellen.
- Metallreifenheber benutzt. Die Kerbe in der Felgenflanke bleibt, und der neue Schlauch bekommt oft gleich den nächsten Schnitt.
- Pedal in die falsche Richtung gedreht. Das linke Pedal hat Linksgewinde. Es wird gegen den Uhrzeigersinn festgezogen und im Uhrzeigersinn gelöst. Wer das verwechselt, ruiniert das Kurbelgewinde.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob mein Rad einen 15er Schlüssel braucht? Ein Blick auf die Nabe genügt. Sitzt dort eine Sechskantmutter, brauchst du den 15er. Sitzt dort ein Hebel zum Umlegen, ist es ein Schnellspanner und du brauchst kein Werkzeug.
Reicht ein Multitool als einziges Werkzeug? Für unterwegs ja, für zu Hause nicht. Die kurzen Hebel eines Multitools erlauben kein kontrolliertes Anziehen, und gerade an Sattelstützen und Vorbauten aus Carbon oder dünnwandigem Aluminium ist genau das wichtig.
Brauche ich einen Drehmomentschlüssel? An einem Stahl- oder Aluminiumrad mit klassischen Bauteilen kommt man ohne aus. Sobald Carbonteile verbaut sind, gehört er dazu, denn dort sind die Anzugsmomente niedrig und das Material verzeiht keine Überschreitung.
Was kostet der Einstieg? Satteltasche komplett mit Reifenhebern, Multitool, 15er Schlüssel und Ersatzschlauch liegt bei rund 40 Euro. Die Hausschrauber-Stufe mit Kettennieter, Verschleißlehre und Y-Schlüsseln kommt auf etwa 60 Euro dazu.
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Das gesamte Sortiment findest du in der Collection Werkzeuge. Passend dazu: Kaufberatung Fahrradkette, Kaufberatung Innenlager, Kaufberatung Fahrradschlauch, Kaufberatung Fahrradreifen und Kaufberatung Fahrradbremse.