Sattel eines roten Stadtrads mit einer Plastiktüte vor Regen geschützt, daneben eine schwarze Gepäckträgertasche

Kaufberatung Fahrradsattel: Breite, Form und Sitzposition

Fahrradschmiede Berlin

Kaum ein Bauteil wird so oft verflucht und so oft falsch gekauft wie der Sattel. Die wichtigste Erkenntnis aus tausenden Beratungsgesprächen in unserer Berliner Werkstatt: Nicht das weichste Polster entscheidet, sondern die Passform zur Sitzposition.

Die Sitzposition bestimmt die Breite

Wer aufrecht fährt, wie auf den meisten Stadt- und Hollandrädern, sitzt mit fast dem ganzen Gewicht auf den Sitzknochen und braucht einen breiten, gut gepolsterten Sattel. Je gestreckter die Haltung, desto mehr Gewicht wandert auf Hände und Pedale, desto schmaler darf der Sattel werden. Ein breiter Komfortsattel am sportlichen Rad scheuert an den Oberschenkeln, ein schmaler Sportsattel am Hollandrad drückt. Beides sehen wir regelmäßig.

Der Sitzknochenabstand lässt sich zu Hause grob messen: auf ein Stück Wellpappe setzen, die beiden Druckstellen markieren, Abstand der Mittelpunkte messen. Für aufrechtes Fahren rechnet man auf diesen Wert etwa 3 bis 4 cm drauf, das ergibt die passende Sattelbreite.

Herren, Damen, Unisex

Damensättel sind im Schnitt breiter und kürzer geschnitten, weil die Sitzknochen anatomisch weiter auseinanderliegen. Das ist ein Durchschnittswert, kein Gesetz. Entscheidend bleibt der eigene Sitzknochenabstand, deshalb gibt es viele Modelle in mehreren Ausführungen: den Medicus Pro 6.1 für Herren, den Medicus Pro 6.2 für Damen und den Medicus Pro 6.3 als Unisex-Variante.

Gel oder Schaum?

Gel fühlt sich beim Probesitzen sofort weich an und ist für kurze Strecken und aufrechtes Fahren angenehm, zum Beispiel beim Wittkop City Big Comfort Gel. Auf längeren Strecken gibt hochwertiger Schaum oft die bessere Figur ab, weil er stützt statt nachzugeben und die Sitzknochen nicht durchsacken. Faustregel aus der Werkstatt: kurze Wege und aufrechte Haltung gern mit Gel, längere Touren eher mit festerem Schaum.

Entlastungsrinne und Stufenform

Viele Sättel haben eine Vertiefung oder Aussparung in der Mitte. Sie nimmt Druck vom Dammbereich und beugt Taubheitsgefühlen vor. Die Medicus-Modelle von Wittkop setzen zusätzlich auf eine Stufenform, die das Becken hinten abstützt, etwa der Medicus TWIN 4.0 und der Medicus TWIN 7.0. Wer auf längeren Strecken Taubheit kennt, sollte gezielt nach solchen Formen schauen.

Unser Sortiment

  • Wittkop Medicus: unsere häufigste Empfehlung für Stadt und Tour, in vielen Breiten und Ausführungen, vom Medicus 1.0 bis zur Pro-Reihe.
  • Selle Royal und SELLE Bassano: Komfortsättel für aufrechtes Fahren, bis zur extrabreiten Volare City XXL.
  • CONTEC und CP: vom günstigen Ersatzsattel bis zur sportlicheren Form für Trekkingräder.

Einstellung: die halbe Miete

Auch der passende Sattel drückt, wenn er falsch steht. Grundeinstellung: Oberkante waagerecht, mit der Wasserwaage geprüft. Die Nase leicht abzusenken hilft nur bei sehr gestreckter Haltung, alles darüber hinaus schiebt das Gewicht auf die Hände. Die Sattelhöhe stimmt, wenn das Bein mit der Ferse auf dem Pedal am tiefsten Punkt gestreckt ist. Wer dabei nicht weiterkommt, findet in der Kaufberatung Sattelstütze die passende Ergänzung.

Am schnellsten führt der Weg über das Probesitzen: Kommt vorbei, wir haben die Sättel am Tresen, messen auf Wunsch den Sitzknochenabstand und bauen den neuen Sattel gleich an.

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